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Kamerun - Index

Der Krieg in den Kolonien

Kamerun

1914

In Kamerun vermochten wir unsere Streitkräfte, eine Schutz - und eine Polizeitruppe in einer Gesamtstärke von 235 Europäern und 3 300 Farbigen, bis zu einem Höchstand von 575 Weißen und 5 900 Eingeborenen zu verstärken. Ihnen gegenüber stellten Engländer, Franzosen und Belgier in ihren rund um das Schutzgebiet liegenden Kolonien allmählich 18 000 Mann ins Feld. Die starke Überlegenheit der Gegner zwang von vornherein zur Verteidigung. Auch diese war im Frieden kaum vorbereitet worden, insbesondere war die gebotene Befestigung des Einfallstores in die Kolonie, des Hafens von Duala, unterlassen worden.

Der Kampf soll im Innern auf dem Hochland von Ngaundere unter dem Gesichtspunkt geführt werden, den Kern der Kolonie möglichst bis zum Friedensschluß zu halten unter Sicherung einer Verbindung zum neutralen Gebiet von Spanisch-Muni. Die Truppe wird in Gruppen geteilt, die entsprechend den mutmaßlichen Anmarschrichtungen des Gegners aufgestellt werden. Die Engländer wollen zunächst die Küste mit Häfen und Funkstationen in die Hand bekommen, die Franzosen das erst in den Marokkoverträgen an Deutschland abgetretene Neukamerun wiedererobern.

August-September
Die drei von Norden einfallenden feindlichen Kolonnen werden sämtlich geschlagen, dagegen gelingt es den vom Kongo kommenden Franzosen verhältnismäßig leicht die beiden "Schnabel" in Besitz zu nehmen.
27.9
Am 27.9 muß Duala aufgegeben werden. Die nahe der Küste stehenden Kräfte müssen gegen Jaunde weichen, das allmählich zum Mittelpunkt der deutschen Verteidigung wird.
1915 - Januar
Im Januar, als nach einer längeren Pause die Operationen wieder beginnen, steht die Schutztruppe an den Rändern des für die Hauptverteidigung vorgesehenen Gebietes in einem Raume, den etwa Edea, Dschang, Garua, der Kadaifluß, Molundu und die Südgrenze bezeichnen.
5.1
Am gefährlichsten erscheint die Bedrohung von der Küste. Daher tritt der Kommandeur der Schutztruppe, Oberstl. Zimmermann, am 5.1 zum Gegenstoß Richtung Duala an. Das vom Feind befestigte Lager von Edea gebietet zwar seinem Vormarsch Einhalt, aber die Wirkung des Angriffs ist doch so groß, daß der Gegner- hier Engländer und Franzosen - teilweise zurückweicht und von der Küste her ein volles Jahr nicht mehr vorgeht.
Juni
Dagegen gelingt es dem Gegner im Norden, uns im Juni Garua und Ngaundere zu entreißen. Nur der südlich des Tschadsees im äußersten Norden des Schutzgebietes liegende Posten Mora, 3. Kompanie, Hauptmann von Raben, hält sich bis zum Ende der Kämpfe gegen weit überlegene Belagerer. Auch die von Süden und Südosten angreifenden Franzosen können nur langsam vorwärts kommen. Der Feind verstärkt sich aber unausgesetzt.
Oktober
Im Oktober 1915 schreitet seine Hauptmacht, über 10 000 Mann, unterstüzt durch von Norden, Südosten und Süden vordringende schwächere Kolonnen, von der Küste her zu neuem Angriff auf Jaunde.
Unsere Lage ist inzwischen durch Munitionsmangel ernst geworden. Die Patronen reichen kaum mehr für die Verteidigung, geschweige für einen Gegenangriff.
29.12
So muß am 29.12 Jaunde geräumt und der Marsch in Richtung auf das spanische Gebiet angetreten werden. Trotzdem der Feind die Schutztruppe von allen Seiten anfällt, wird der Rückzug planmäßig durchgeführt.
15.2. 1916

Am 15.2.1916 sind die letzten der Verteidiger Kameruns unbesiegt auf spanisches Gebiet übergetreten. Die Farbigen werden auf der Insel Fernado Poo, die Offiziere in Spanien interniert.

Über 18 Monate hatte die Schutztruppe mit ihren ausgezeichneten, treuen schwarzen Soldaten den ungleichen Kampf geführt, den sie erst aufgab, als fast die letzte Patrone verschossen war.

Quelle:

Der Weltkrieg, Cigaretten-Bilderdienst Dresden., von rado, © jadu 2000

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