Gustav Nachtigal zum Gedenken

von Johannes Trojan
"Kladderadatsch" 1885. Nr. 21

Oh, schlimmer Weltteil, finsterer Mächte Sitz,
Der unersättliche Opfer um Opfer heischt,
Der eben wieder uns genommen
Einen der Besten und Bravsten einen.
Um dich von Herzen klagen wir, Nachtigal!
Wie wir von Herzen uns deiner oft gerühmt!
Und oft noch werden deinen Namen
Preisend wir nennen und Dank dir spenden!
Fern von der Heimat, fern vom Strande selbst,
Im schwanken Fahrzeug starbst du auf hohem Meer,
Getötet von dem neidischen Dämon,
Welcher mit giftigen Hauch dich anblies.
Schlaf süß am Ufer, wo sie gebettet dich,
Wo Meeresrauschen tönet zu dir hinauf;
Wo über deinem Grabe wehen
Palmen, im glühendem Licht der Sonne.
Gesehen hast du, freudigen Stolzes, doch
Die Flagge Deutschlands über der Erde wehn,
Die nun für alle Zeit dich festhält,
Ihren Bezwinger zuletzt bezwingend.
Ein gutes Beispiel gabst in den Zeiten du,
Da zum Gewinn drängt alles und zum Genuß;
Verzichtend auf des Lebens Güter,
Wähhltest du Mühen und heißen Kampf dir!
Ein tapferer Kämpfer, standest du furchtlos da
Auf schweren Posten, mit der Gefahr betraut.
Erworben hast du den Kranz dir,
Welcher dem mutigen Streiter zukommt!
Dir nie vergessen wird es das Mutterland,
Daß du ihm freudig Leben und Kraft geweiht;
Daß, wie ein Führer auf dem Schlachtfeld,
Nieder du sankst für Deutschlands Ehre!

webmaster