Die Vergeltung
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Afrikanische Skizze von Walter Heise, Hamburg.
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"Lieber Egloffstein,"
sagte ich, "Sie sind ein famoser Kamerad, aber daß Sie nun
mal immer mit Ihren Worten so herausplatzen .... Wette, Wellmann hat
es gehört." Die beiden Kameraden blieben vor ihrem Zelte sitzen, während ich nachdenklich davonschritt. Da hörte ich Pferdegetrappel hinter mir, dann den Anruf der Posten, und ein Reiter trabte ins Lager. Es war ein Schutztruppler, das sah man an dem zähen, ausgedörrten Gesicht. Er sprang ab und ließ sich direkt zum "Alten" führen. Wellmann
saß auf einem Erdhügel und machte Notizen. "Ich will Ihnen was sagen, Herr Leutnant," antwortete er. "Mein Vater hat früher einmal gesagt: "Junge, laß dir nichts gefallen. Und wenn dir einer zu nahe kommt, so wehre dich!" Mein Vater ist von guter deutscher Art, Herr Leutnant. Drüben in Arkansas gibts nicht viele seinesgleichen. Und ich habe so gehandelt, wie er es mir sagte. In den Vereinigten Staaten ließ ich mich nicht beleidigen und in Afrika habe ich dazu keine Lust." Der kleine
Mann mit dem glattrasierten Gesicht blickte so energisch und zornig
drein, daß ich mich in meiner Rolle als Verteidiger ex officio
recht unsicher fühlte. Noch einmal wiederholte ich, daß Leutnant
Egloffstein ihn gewiß nicht kränken wollte, und suchte ihn
dann schnell durch die Frage abzuleiten: "Also Ihre Mutter ist
keine Deutsche?" Wellmanns
Vermutung hatte nicht getrogen. Auf den nächsten Vormittag wurde
der Weitermarsch festgesetzt. Drei Stunden
waren wir wohl schon im Sattel, da wurde halt gemacht. Der "Alte"
besprach sich mit dem Schutztruppler und fragte ihn wiederholt, ob er
auch den richtigen Weg wisse. Die Spitze hatte gemeldet, daß man
Herero vor sich glaube. Der "Alte" entschied sich, vorzurücken.
Denn die Felsenge, in der wir uns jetzt befanden, war für uns doch
ein gar zu ungünstiges Verteidigungsterrain. Den Talkessel mußten
wir auf jeden Fall zu erreichen suchen, um uns ausbreiten zu können. "Gottlob!
Nun hat man doch Bewegungsfreiheit," sagte Dahlen, der sich bei
mir vorbeischob. Da fielen in rascher Aufeinanderfolge vor uns etwa
dreißig Schüsse. Ich sah acht Mann fallen und ein Pferd sich
aufbäumen und sich überschlagen. Dann befand ich mich auch
schon im Talkessel. Ich hörte den "Alten" kommandieren
und gab das Kommando weiter. Sogleich sah ich aber ein, daß jeder
auf sich selbst gestellt war. Zwei Salven konnte ich noch kommandieren,
dann kämpfte jeder Mann gegen Mann. Leider boten wir ein nur zu
gutes Ziel, und die Verwirrung war zuerst allgemein. Doch wir fanden
bald unsere Kaltblütigkeit wieder. Wir schossen sicherer und bekamen
Luft. Dahlen warf sich mit seinen Leuten vor und gewann Fühlung
mit meiner Abteilung. So, jetzt standen wir. Hinter uns brüllten
die Ochsen und schrien die Maultiere. Von rechts her suchte der "Alte" loszukommen. Vergeblich. Wir waren wieder in die Verteidigungsstellung zurückgedrängt. Das eine Maschinengewehr versuchte uns einmal Luft zu machen. Aber es stellte gleich wieder sein Feuer ein, da die hin und her schiebenden Massen von Freund und Feind ein sicheres Zielen unmöglich machten. Da sah ich, wie der "Alte" winkte. Wir schoben uns noch einmal vor, wobei uns die Beine zwischen den Pferden fast zerquetscht wurden. Eine kleine Lücke war an der rechten Seite entstanden. Das Maschinengewehr spielte, und eine dunkle Masse sauste in die Lücke, durchbrach die erste Reihe der Herero und schob sich stampfend und schreiend in die Richtung von Egloffstein. Die Herero wandten sich jetzt gegen den neuen Feind. "Die Maulesel," durchschoß es mein Hirn. Aber ich konnte nicht weiterdenken; denn drüben schien die Menschenwand, die zwischen uns und Egloffstein hin und her wogte, zu wanken. Noch eine Salve fiel. Und durch den nördlichsten Kesseleingang drängten sich die Herero. Schuß fiel auf Schuß. Aber wir waren so erschöpft, daß wir an eine Verfolgung nicht denken konnten. Wir hatten wieder Fühlung miteinander. Und wir wandten uns den Rettern in der Not, den Mauleseln zu. Manches arme Langohr lag tot oder verwundet am Boden. Fast zu
gleicher Zeit standen Egloffstein und ich vor des Rätsels Lösung.
"Wellmann," riefen wir wie aus einem Munde. Egloffstein
drückte dem Kriegskorrespondenten die Hand. Und auch der "Alte"
kam hinzu und lobte die Bravourleistung. "Aber
die Leser des "Herald" werden Augen machen über Ihren
Maultierritt," meinte Dahlen. Und wo steht
denn die Sache mit Ihrem Maultierritt?" fragte Egloffstein. * "Herero durch Deutsche angegriffen. Glänzender Sieg, Schlacht wurde hauptsächlich gewonnen durch den heldenhaften Widerstand von Leutnant E. Wellmann." Original !!! Richtigerweise sollte es "Deutsche durch Herero" angegriffen....heißen. d.red. Quelle: Süssenrotts illustrierter Kolonial-Kalender 1912, von rado jadu 2000.
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