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"Ja, Herr Schröder,"
sagte der Farmer, "dagegen, daß meine Erna Ihre Frau wird,
wäre am Ende nichts einzuwenden. Sie haben sich beide lieb, und
ich glaube auch, daß Sie ein braver Kerl sind. Aber
"
"Aber?" fragte der Ingenieur.
"Herr Schröder," fuhr der Farmer fort, "die Zeiten
sind jetzt schwer. Und das Mädel soll mit Ihnen nach Deutschland,
also etliche Meilen von ihrem Vater fort. Vermögen haben Sie nicht,
und die Mitgift, die ich meiner Tochter vorderhand geben kann, ist auch
nicht gerade groß. Darum möchte ich um es gerade herauszusagen
gerne wissen, ob Sie, wie man zu sagen pflegt, ein Mann sind,
der nicht auf den Kopf gefallen ist. Ich denke, Sie verstehen mich."
"Nicht ganz," antwortete Schröder etwas kleinlaut.
"Mein lieber, Sie müssen es mir nicht übelnehmen,"
begütigte der Farmer. "Aber Ihre sogenannten Zeugnisse imponieren
mir gar nicht. Hier in Afrika heißt es: "Zeige was du kannst.
Alles andere gilt nicht."
"Herr Jensen," meinte Schröder, "Sie haben am Ende
recht. Aber wie soll ich Ihnen den beweisen ?"
"Mein Lieber," sagte der Farmer, und Schröder schien
es, als wenn der Alte eine Art Schmunzeln, wie es die Bauern zur Schau
tragen, wenn sie ein gutes Geschäft gemacht haben, nur mit Mühe
verbergen konnte., "Sie sind nun glücklich einige Monate mit
Herrn Uslar im Lande umhergereist. Sie haben mit Ihrer Wünschelrute
nach Wasser gesucht und," er schmunzelte vor sich hin, "auch
manchmal etwas gefunden. Wie wäre es nun, mein Lieber, wenn Sie
auf meinem Grund und Boden mal ein bißchen herumsuchten? Wenn
Sie etwas finden nun, dann sollen Sie meine Tochter haben."
Schröder dachte einen Augenblick nach. An die Kraft der Wünschelrute
glaubte er keineswegs mehr so sicher. Und dann hatte der Alte wohl einen
besonderen Grund, ihn hier nach Wasser suchen zu lassen. Die Vegetation
sah nicht darnach aus, als ob reichlich Wasser vorhanden war. Also sollte
er dem Farmer sagen, daß er sich dieser Probe nicht unterziehen
könne? Nein! Dem Mutigen und auf sich selbst Vertrauenden hatte
noch immer das Glück geholfen. Und so sagte er denn: "Abgemacht.
Das Wort soll gelten!"
"Einverstanden,"
lachte der Farmer, "und morgen wollen wir ans Werk gehen. Es sollte
mich freuen, Sie zum Schwiegersohn zu bekommen. Aber die Praxis ist
das Wichtigste. Das müssen Sie doch einsehen. Leben Sie wohl. Auf
morgen!"
Er schüttelte dem Ingenieur die Hand und ließ ihn allein.
"Das sind ja schöne Aussichten," dachte Schröder,
"aber ich glaube doch, daß meine Erna, die die Örtlichkeit
genau kennt, hier am besten helfen kann."
Nach dem Abendessen erzählte er ihr von der ihm auferlegten eigenartigen
Liebesprobe. Sein Bräutchen schien gar nicht so hoffnungsvoll.
"Vater weiß doch am besten, das hier wenig Wasser ist. Wenn
nicht der Kanal von der Creek wäre, hätten wir überhaupt
nichts" erklärte sie traurig.
"Dann wäre auch alles Bohren zwecklos?"
"Sicherlich!"
"Nun, dann muß ich wohl auf deine Hand verzichten,"
sagte er ruhig und sah sie fest an.
"Karl, du wirst mich doch nicht verlassen," rief sie.
"Närrchen! Wie kannst du dir so etwas nur denken?" lachte
er. "Aber ich habe einen Plan. Merk auf! Auf einen Schelm anderthalben.
Dein Vater weiß, daß hier kein Wasser ist, und trotzdem
läßt er mich darnach suchen. Gut, er soll welches finden."
"Wird der Vater auch nicht schelten, wenn du ihm etwas vormachst?
Denn das willst du, Karl, ich errate es." Sie guckte ihn ängstlich
an.
"Du ahnungsvoller Engel du," lachte Schröder, "das
mag schon stimmen. Aber befinde ich mich nicht in Notwehr? Und um mir
den Rücken zu decken, will ich es gleich zu Papier bringen, daß
ich keinen Betrug beabsichtigt habe, sondern nur eine Kriegslist anzuwenden
gezwungen war." Und er schrieb einige Zeilen auf. Das Papier tat
er in ein Schubfach.
Im Dunkel
der Nacht waren die beiden Liebenden am Werk, still und geheimnisvoll
in ein mit Mühe gegrabenes Loch eine große, mit Wasser gefüllte
Tonne zu versenken.
Sie ebneten sorgfältig das Terrain und schlichen dann schnell ins
Haus zurück, wobei sie nicht bemerkten, daß eine dunkle Gestalt
sich von einem Baume ablöste und mit einer Laterne sorgfältig
den Boden absuchte. Als er den Platz gefunden hatte, wo soeben der improvisierte
Wasserbehälter versenkt worden war, lachte der Farmer denn
er war es laut auf.
"Es war doch gut, daß das Schubfach nicht verschlossen war.
Ist ein Teufelskerl, der Schröder. Aber der alte Jensen hat auch
die Augen offen. Und euer Entschuldigungsbrief soll wenig nützen."
Dann tastete er mit einer Eisenstange auf dem Erdreich herum.
"So,
hier wird wohl die Tonne sein," sagte er und stieß die Stange
mit aller Kraft in den Boden. Es klang hohl. Noch einmal stieß
er zu. "So, in der "Quelle" wären wir. Jetzt heißt
es, das Wasser herauslaufen lassen." Und er stieß so stark,
daß die Stange die Tonne auch auf der anderen Seite durchlöcherte
und das Erdreich gierig das herausdringende Wasser trank. "So,
du Wünschelrutenmann, jetzt kannst du uns etwas vorexperimentieren,"
lachte er, verwischte so gut als möglich die Spuren seiner Tätigkeit
und suchte sein Lager auf.
Am anderen
Vormittag standen der Farmer, seine Tochter und der Ingenieur in der
Nähe der bewußten Stelle. Schröder ließ die Wünschelrute,
das unscheinbare Ding, leicht in seinen Händen balanzieren. Näher
kamen sie der "Quelle." Leise drückte er das Holz, so
daß es einige Male in der Richtung der Regentonne hin und her
pendelte.
"Alle Wetter," sagte der Farmer, "Sie scheinen Wasser
gefunden zu haben."
"Möglich," erwiderte Schröder und bemühte sich,
ein gleichgültiges Gesicht zu zeigen. Und doch klopfte sein Herz
nicht minder stark, als das seiner Braut.
"Man
könnte einmal bohren," sagte er dann. Sie stellten das mitgebrachte
Bohrgerüst auf und senkten das Brunnenrohr in den Boden. Knirschend
drehte sich die Brunnenkrone durch das Erdreich und das Holz der Tonne.
Jetzt mußte ein Wasserstrahl emporsteigen. Aber selbst, als das
Brunnenrohr noch tiefer gesenkt wurde, trat kein Wasser zutage.
Erna schaute mit ängstlichen Augen ihren Geliebten an.
Mit Mühe unterdrückte dieser seine Aufregung. Das Wasser war
ausgelaufen, das war klar. Dicht war die Tonne gewesen. Aber sie konnte
undicht gemacht worden sein. Doch von wem? Denke einmal nach, Schröder,
ganz logisch und ruhig. Wie sagt der Kriminalist? "Cui bono?"
Ja, wem nützt es? Nun, dem alten Farmer, wem denn sonst? Schröder
guckte den Farmer an. Gleichmütig schaute dieser drein. Aber das
Lächeln, das verdammte pfiffige Lächeln, konnte er doch nicht
verbergen.
Schröder wußte genug, der Farmer hatte auf irgendeine Art
von der Sache Wind bekommen und den Plan durchkreuzt. Schröders
Vermutung wurde zur Gewißheit, als der Farmer plötzlich sagte:
"Wie man sich doch täuschen kann. Und ich hätte vorhin,
als die Wünschelrute hierher wies, wetten mögen, daß
mindestens eine Tonne Wasser zu finden wäre!" Wenn Blicke
Dolche wären, so wäre Jensen jetzt ein toter Mann. So schaute
der Ingenieur dem Höhnenden ins Auge.
"Weiteres
Bohren scheint zwecklos," sagte er dann resigniert, "wir wollen
heimkehren."
Vor dem Hause sagte der Farmer: "Ich denke, daß wir uns erst
ein wenig ausruhen. Nachher können wir einmal näher über
das mißlungene Experiment sprechen. Was meint ihr? Soll in der
vermeintlichen Wasserquelle vielleicht Gold vorhanden sein? Die Wünschelrute
hat ganz bestimmt gewippt!"
"Möglich," sagte der Ingenieur unwirsch und suchte sein
Zimmer auf.
Er hatte
wohl eine Stunde geschlafen, als die Farmerstochter ihn herausrief.
"Liebster," sagte sie in fliegender Eile, "ich habe des
Vaters letzte Worte vorhin gehört. Und da ist mir ein Plan gekommen.
List gegen List. Du bittest nachher den Vater, die Probe wiederholen
zu dürfen, da auch du glaubest, auf Gold gestoßen zu sein
"
"Ich bitte dich, Karl, laß mich nur machen! Und weiter bewirkst
du, daß die Wünschelrute später nach der kleinen Vogelhütte
du kennst sie doch noch zeigt. Dann kommst du mit dem
Vater dorthin."
"Ja, aber Erna, ich begreife noch nicht ."
"Tu nur, wie ich gesagt habe. Und leb wohl." Und weg war sie.
"Was mag sie wohl vorhaben?" dachte Schröder. Immerhin
wollte er den Rat seiner Braut befolgen.
Nach einer Stunde stand er mit dem Farmer wieder an der Stelle, wo sie
vorhin vergeblich nach Wasser gebohrt hatten.
"Ihr meint wirklich, daß hier Gold vorhanden ist," fragte
der Farmer, über das ganze Gesicht lachend.
"Ganz entschieden," antwortete Schröder mit aller Zuversicht,
die er auftreiben konnte.
Übrigens
hatte sein scharfes Auge sehr wohl gemerkt, daß der Boden über
der Tonne hastig aufgegraben und wieder zugeschüttet worden war.
"Nun, dann wollen wir einmal nachgraben," sagte der Farmer,
"ob Wasser oder Gold mein Wort gilt noch immer!"
Schröder setzte den Spaten an, der Spaten drang durch das Erdreich
und fand kaum Widerstand. Es war Schröder, als wenn er auf Leder
oder Zeug stieß. Es klirrte wie Metall. Er zog den Spaten hervor
und vor seinem Fuße lagen in einem Beutelchen goldene Ringe,
Ketten und Armbänder!
Da stand er da! O Weiberlist! Diese Schmucksachen stammten ja von Erna
selbst und ihrer verstorbenen Mutter. Das brave Mädel hatte sie
vorhin zusammengesucht und schnell vergraben.
Schröder sah den Farmer an. "Gold ist das freilich,"
sagte der Farmer, der sich zu einem Gesicht zwang, als hätte er
Essig getrunken.
"Ja,
es ist Gold," antwortete Schröder, der seinen ganzen Mut wiedergefunden
hatte.
"Hm, hm. Eine eigenartige Legierung. Hm, gewissermaßen das
Gegenteil vom Rohzustand."
"Gewissermaßen, ja," antwortete Schröder, innerlich
aufjauchzend. Aber dann fiel es ihm ein, daß es ja noch galt,
den Sieg ganz auszunutzen und den letzten Hauptschlag auszuführen.
Er ließ die Rute spielen und sagte: "Herr Jensen, kommen
Sie bitte mit. Die Rute weist nach der Vogelhütte."
"Noch mehr Gold finden, ha?"
"Gewissermaßen ja!"
Sie standen vor der Hütte. Schröder klopfte das Herz. Wenn
jetzt etwas fehl schlug? Der Farmer riß die Tür auf. Und
"hier, lieber Vater, ist dein Goldkind," tönte es ihm
von den Lippen seiner Tochter entgegen, die ihn in demselben Moment
fest umschlungen hatte.
"Hihi," lachte der Farmer, "Goldkind! Merken Sie was,
Herr Schröder? Goldkind. Der Nachdruck liegt auf Gold. O ihr Schwerverbrecher.
Den alten Jensen so zu betrügen. Doch hier, du Goldkind, werde
glücklich mit deinem Falschmünzer und Wassersucher. Gegen
solche Ingenieurkunst konnte ich nichts ausrichten."
Schröder drückte herzlich die Hand des Farmers .
Quelle:
Süssenrotts illustrierter Kolonial-Kalendar 1912, von rado jadu
2000.
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