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Zöpfe im Ovamboland


Von Hans E. Huppelsberg

Nur in wenigen Gegenden Afrikas haben die Eingeborenen heute noch ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Zu diesen Gebieten gehört auch das Ovamboland, das sich vom Norden der ehemals deutschen Kolonie Südwestafrika bis nach Angola hinein erstreckt. Die Küste läßt einen Schiffsverkehr nicht zu. Dadurch wurde jahrhundertelang ein Vordringen der Europäer in dieses Gebiet unmöglich gemacht. Nur selten kam früher ein kühner Forscher oder verwegener Prospektor in das Ovamboland. Aber seit das Auto die endlosen ,,Pads" Afrikas erobert hat, ist auch dieses Land am Okavango und Kunene der Zivilisation näher gerückt, wenngleich ein Ausflug dorthin auch heute noch nicht ohne Gefahr ist.

Ovamboland ist von der Mandatsregierung zum Reservat erklärt worden. Nur äußerst selten einmal erhält ein Europäer von der Behörde die Erlaubnis, dieses Reservat zu betreten. Diese Abgeschlossenheit ist auch die Ursache, daß sich ziemlich viele Bräuche erhalten haben. Dennoch sieht man schon allenthalben die Errungenschaften der Zivilisation: durchlöcherte Wolljacken, schmutzstarrende Hosen oder gar ein als einziges Kleidungsstück getragenes Oberhemd.

Wesentlich konservativer als die Ovambomänner sind die Frauen. Sie kleiden — oder besser putzen, denn von Bekleidung kann keine Rede sein — sich noch ganz nach alter Sitte. Ein Hauptbekleidungs- und Schmuckstück der jungen Mädchen bildet das aus Straußeneierschalen gefertigte Ondjeva. Die Schalen der Eier werden in kleine Stückchen zerschlagen und zu runden Plättchen von etwa 3/4 cm Durchmesser verarbeitet. Nachdem ihre scharfen Kanten etwas abgeschliffen sind, werden sie durchbohrt und auf Schnüre gereiht, die dann um die Hüften getragen werden. Bei reichen Leuten reicht die unterste Reihe des Ondjeva oft bis an die Knie.

Eigentümlich ist die Haartracht der Mädchen. Zwei lange Zöpfe hängen rechts und links bis fast zum Boden herab. Hierbei handelt es sich jedoch nicht etwa um eigenes Haar — das ja beim Neger bekanntlich nur kurz und wollig ist — sondern um eingeflochtene Sisal- oder Palmenfasern. Als Amulett gegen böse Geister werden außerdem kleine Kügelchen aus mit Lehm vermengtem Kuhmist im Haar befestigt. Ein besonderer Putz der jungen Fr au dagegen ist ein aus Sehnen und Menschenhaaren geflochtener Hut. Die Herstellung erfolgt auf dem Kopf der Trägerin, an deren Kopfhaar er befestigt wird. Abgenommen kann ein solcher Hut nicht werden. Zu beiden Seiten werden zwei stark gebogene hörnerähnliche Hölzchen befestigt. Anfangs sitzt dieser Hut fest auf dem Kopf. Mit der Zeit wachsen die damit verbundenen Haare und dann kann man ihn bequem hin und her schieben. Für welche Art von Lebewesen unter einer solchen Kopfbedeckung die günstigsten Existenzbedingungen geschaffen sind, kann man sich denken. Ein derartiger Hut wird von den Frauen erstmalig bei der Hochzeit getragen.

Quelle: Atlantis Juli 1940, von rado by jadu 2002



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