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Der Krieg in den Kolonien

DOA

  Ostafrika, zweimal so groß wie das Reich 1914, besaß zu Kriegsbeginn eine Schutztruppe von 216 Weißen und 2 540 Askaris (farbige Krieger) , dazu eine Polizei von 45 Weißen und 2 140 Askaris. Die Bewaffnung dieser Streitkräfte war zum größten Teil veraltet, Artillerie so gut wie gar nicht vorhanden.
Im Kriege fanden im ganzen 3 000 Europäer und 12 000 Askaris kriegerische Verwendung. Gegen sie hat der Feind rund 300 000 Mann eingesetzt.
1914
Da Gouverneur Dr. Schnee einen Kampf um die Küstenstädte vermieden wissen will und auch dem vom Kommandeur der Schutztruppe, Oberstleutnant v. Lettow-Vorbeck, für richtig gehaltenen Vorstoß aus der gegend des Kilimandscharogebirges nach Uganda nicht beipflichten zu können glaubt, wird die Masse der streitkräfte westlich Daressalam versammelt. Schwächere Abteilungen bleiben an den Grenzen.
8.8
Die Engländer beschießen den Funkturm von Daressalam. Am ehesten bedroht müssen unsere Siedlungs - und Pflanzungsgebiete zwischen dem Kilimandscharo und der Küste bei Tanga erscheinen, und es gelingt dem Kommando der der Schutztruppe nun, vom Gouverneur die Erlaubnis einer Truppenverschiebung nach Norden zu erhalten.
15.8
Am 15.8 wird das am Kilimandscharogebirge gelegene englische Taveta genommen und zum Mittelpunkt der neuen Versammlung gemacht. Die Usambarabahn ermöglicht schnelle Verschiebungen an der ganzen Nordgrenze der Kolonie bis zur Küste. Außer mit einem Einbruch am Kilimandscharo muß auch mit einem Landungsversuch der Engländer gerechnet werden.
2.11
Am 2.11 erscheinen diese dann auch mit 14 durch Kreuzer geschützten Transportdampfern vor Tanga und setzen zunächst
2 000 Mann an Land.
5.11
Am 5.11 ist aber das englisch-indische Expeditionskorps von insgesamt 8 000 Mann nach schwerem Kampf völlig geschlagen und muß abfahren. Eine gewaltige Beute erlaubt uns , mit einer neuzeitlischen Ausrüstung der Truppe zu beginnen.
Ein gleichzeitiger Angriff des Feindes am Kilimandscharogebirge wird ebenfalls abgewiesen.
18./19.1.1915
Anfang Januar versucht der Gegner, nun an der Küste von Norden her vorgehend, abermals Tanga zu nehmen. Er wird bei Jassini geschlagen.
Das erste Halbjahr vergeht dann an der Nordgrenze der Kolonie unter erfolgreichen Patrouillengefechten. Im April gelingt es einem deutschen Hilfsschiff, bei Tanga die Blockade zu brechen. Seine Ladung - vor allem die Munition - wird mühsam geborgen. Im übrigen geschieht nun alles nur Mögliche, um das Schutzgebiet von der Zufuhr unabhängig zu machen.
Mitte Juli
Unser Kreuzer "Königsberg" hatte in der Rufidjimündung Schutz suchen müssen. Er muß nach langem Kampf mit englischen Schiffen gesprengt werden. Die Besatzung kommt zur Schutztruppe. Durch die geborgenen Geschütze erhält diese nun auch schwere Artillerie.
Zweites Halbjahr
Anfang Juli ist bekannt, dass demnächst starke Truppen der Südafrikanischen Union eintreffen werden. Die Engländer greifen indessen vorläufig weiter nur mit verstärkten eigenen Kräften an. Die Hauptkämpfe spielen sich am Kilimandscharo ab. Wir können den stark überlegenen Feind mehrfach schlagen und ihm auch durch Störung des Betriebs der Ugandabahn schweren Schaden zufügen. Außerdem fällt uns weiter erhebliche Beute zu.
Ende des Jahres
Aber Ende des Jahres wird es offentsichtlich, dass nun der Großangriff der Engländer mit Hilfe der Südafrikaner bald einsetzen wird, vor dem das Nordgebiet der Kolonie nicht gehalten werden kann. Seine Räumung wird vorbereitet. - Ein zweites Hilfsschiff hatte inzwischen im äußersten Süden der Kolonie weiteres Kriegsmaterial gelandet, das nun so schnell wie möglich nach Norden geschafft wird.
1916
Anfang 1916 wird der Gegner von unseren 4 000 Mann im Kilimandscharogebiet noch blutig abgewiesen. Die überlegenheit des Feindes ist aber inzwischen auf  7:1 angewachsen. Der Norden muß aufgegeben werden. Die Schutztruppe weicht langsam gegen die Mittellandbahn.
Mai/Juni.

Das Gros der Schutztruppe sichert nun bei Kondoa-Irangi. Abteilung Kraut bleibt noch an der Nordbahn. Im Juni dringen dann auch vom Viktoriasee, aus Belgischkongo sowie aus der Lücke zwischen Tanganjika -und Njassasee feindliche Kolonnen in die Kolonie ein und drängen unsere an den Seen stehenden Sicherungen auf Tabora und Iringa zurück.

Kraut hat allmählich in Gegend nördlich Morogoro weichen müssen.

31.7
Am 31.7.16 erreicht der Feind die Zentralbahn bei Dodoma. Vor ihm sind die Truppen von Kondea im Rückzug auf Kilossa.
Nun müssen auch die von gewaltigen Übermacht bedrängten 4 Kompanien Kraut auf den Wamifluß zurückgenommen werden, hinter dem sie den Gegener Mitte August abweisen.
Angesichts der bedrohlichen Lage werden nun alle erreichbaren Kräfte der Schutztruppe bei Morogoro versammelt, von wo aus allmählich nach Süden ausgewichen wird.
Anfang September erleidet der Feind, welcher sich bemüht, uns den Rückzug abzuschneiden, bei Kissaki an den Ulugurbergen einige schwere Schlappen.
Winter 16/17
Lettow kann sich dann noch den Winter 1916/17 über nördlich des Rufidji halten und die reiche Flußgegend zur Proviantierung ausnutzen. Ein Umfassungsversuch von der Küste bei Kilwa her wird zum Stehen gebracht. Der Gegner ist anscheinend am Ende seiner Kräfte. So bleibt die Lage bis zum Frühjahr 1917 noch durchaus günstig.
1917
Frühjahr
Erst dann beginnt der Gegner wieder mit Großangriffen von allen Seiten. Am gefährlichsten sind zunächst die von der Küste her (Von Kilwa und Lindi) geführten. Der Ring um unsere Truppen wird immer enger. Der Feind erleidet zwar durch Gegenangriffe schwerste Verluste, aber Lettow wird doch im verlaufe von Sommer und Herbst immer mehr nach Süden gedrückt.
18.10
Am 18.10 erleidet der Gegner bei Mahiwa und Lukuledi südwestlich Lindi noch einmal eine ganz schwere Niederlage. Schließlich muß sich Lettow aber doch entschließen, auf portugiesisches Gebiet auszuweichen. Die Truppe wird vorher, da für die bisherige Stärke Verpflegung, Patronen und Arznei (Chinin) nicht reichen, auf 300 Deutsche und 1 700 Farbige vermindert. Am 25.11 wird der Rowuma überschritten. Eine starke, aus dem Innern der Kolonie zurückgehende Abteilung hatte leider vorher noch kapituliert. "L Z 59", der im Herbst der Schutztruppe Vorräte zuführen sollte, wurde nach 7 000 km Fahrt in der Gegend südlich Karthum auf die falsche Nachricht hin zurückgerufen, dass Lettow selbst zur Übergabe gezwungen worden sei.
1918
Dieser treibt nun aber in Wirklichkeit im ersten Halbjahr 1918 in einem einzigen Siegeszug die Portugiesen bis fast an die Sambesimündung. Angriffe von allen Seiten werden immer wieder unter schweren Verlusten der Gegner abgeschüttelt. Waffen, Munition und Verpflegung "liefert" der Feind immer wieder reichlich. Gekrönt wird der kühne Zug durch den Sieg bei Nhamacurri, der dem Feind schwerste Verluste und uns besonders große Beute bringt. Leider ist die Gefahr, eingekreist zu werden, nun aber wieder sehr groß. Lettow entzieht sich ihr durch Kehrtmachen und Marsch nach Norden. trotzdem Krankheiten an den Kräften der Truppe stark zehren, erleiden Potugiesen und Engländer Schlappe auf Schlappe und müssen weiter reichlich Material abtreten.
30.9
Am 30.9.18 wird wieder deutsches Gebiet betreten und längst des Njassasees nach Norden marschiert. Ein langes Verweilen in der Kolonie würde aber wohl schnelle Einkreisung der Truppe und große Verpflegungs -und Munitionsschwierigkeiten bringen.
So beschließt Lettow, den Krieg nach Britisch - Rhodesien zu tragen. Zwischen Njassa -und Tanganjikasee wird die Grenze überschritten und nach Südwesten weitermarschiert.
13.11
Am 13.11 erhält General v. Lettow südwestlichKasama Nachricht, dass am 11. November Waffenstillstand geschlossen worden ist. Nun bleibt ihm nichts anderes übrig, als ebenfalls die Waffen zu strecken. Die Schutztruppe , nun noch 150 Europäer und 1 200 Askaris, hatte 4 1/2 Jahre einer am Schluß wohl hundertfachen Überzahl getrotzt.
Dieser Widerstand wäre auch der glänzenden Führung Lettows nicht gelungen, wenn nicht seine schwarzen Soldaten ihm die Treue gehalten hätten, eine Treue, die wie kein anderes Beweismittel geeignet ist, die Lügen unserer Feinde über unsere koloniale Unfähigkeit zu zerstören.

Quelle:

Der Weltkrieg, Cigaretten-Bilderdienst Dresden., von rado, © jadu 2000

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