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Der Urwaldfriedhof
von Wilhelm Rau

 

Dicht am Wege, der sich schmal nur
Wenn im Laufe der Jahrzehnte
Durch des Urwalds Pracht hinwindet,
Einst des Urwalds Bäume fallen,
Eine kleine Lichtung bildend,
Und Gehöft sich an Gehöft reiht,
Liegt der Friedhof, wo die Männer,
Wo nur heute still vereinzelt
Wo die deutschen Frauen schlummern,
Da und dort steht eine Hütte,
Die hier in dem fremden Lande
Wird der wackern Kämpfer alle,
Eine neue Heimat fanden -
Der Kultur Vorposten niemand
Mehr gedenken; -- selbst die Stätte,
Auf den grasbewachs'nen Hügeln
Wo sie schlafen nach der harten
Steht kein Stein mit gold'ner Inschrift.
Arbeit unter heißer Sonne
Kleine, schwarze Kreuze ragen
Wird villeicht vergessen sein . --
Nur darauf, schon halbverwittert,
Und von dunkelgrünem Moose
Kleine, schwarze Kreuze stehen
Dicht umsponnen; Unkrautsblumen
In dem kleinen Urwaldfriedhof
Blicken leuchtend auf zum Himmel
Halbverwittert au den Gräbern.
Ausgewaschen hat der Regen
Wackre Männer, wackre Frauen
Lange schon die meisten Namen.
Schlafen hier den ew'gen Schlummer
Und doch hätten, die da schlafen,
Liegen hier nach heißer Arbeit
Wohl verdient ein Marmordenkmal,
Fern vom alten Vaterlande. -
Drauf mit goldenen Lettern ständen
Hartes Mühen, hartes Schaffen,
Alle Namen dieser Wackern
Harte Arbeit war ihr Los.

Und darunter zum Gedächtnis:

Jeden Flußbreit Landes mußten
"Treu dem alten Vaterlande,
Sie dem Urwald abgewinnen
"Das kein Brot mehr für sie hatte,
Mit der schweren Axt, dem Sichel
"Haben sie auf fremder Erde,
In den nimmermüden Händen. --
"In der Wildnis ferner Mitte
"Aufgerichtet deutscher Sitte,
Wo einst wilde Herden jagend
"Deutscher Art und deutschem Wesen
Zogen ruhlos ihre Pfade,
"Eine gute, neue Stätte
Richteten Sie auf die Hütte,
"Nicht nur dienend eigenen Nutzen,

Schufen ringsum grüne Weide,

"Nein, dem Wohl der ganzen Menschheit." --
Fruchtbar Land und Blumengärten.
Kleine, schwarze Kreuze stehen
Und in diesem fremden Lande,
Halbverwittert auf den Gräbern
Unter dieser fremden Sonne
In dem kleinen Urwaldfriedhof.
Hielten fest sie an den Sitten,
Unter ihnen schlummern friedlich
Die sie aus der alten Heimat
Deutsche Männer, deutsche Frauen. --
Treulich mit herüber brachten,
Kommt der Abend, rauschen leise
Hielten fest sie an der Sprache,
In dem Winde schlanke Palmen
Die sie von der Mutter lernten,
Und die Grillen zirpen kreischend.
Hielten fest sie an den Liedern,
Aus dem Walde klingt Gezwitscher
Die sie drüben einst gesungen;
Und der Tigerkatze Fauchen
Lehrten wieder ihren Kindern
Aber die, die drunter schlummern,
Deutsches Fühlen, deutsches Denken,
Träumen von den deutschen Eichen,
Deutsch nur redend stets mit ihnen.--
Träumen von der Lerche Trillern.
Wackre Männer, wackre Frauen
Träumen von des Kornfelds Wogen,
Waren sie, treu bis zum Tode,
Wo die blauen Blumen blühen,
Treu im Herz der alten Heimat,
Von der Linde auf dem Dorfplatz,
Bis man sie hier kühl gebettet
Wo sie einst als Kinder spielten.
In dem kleinen Urwaldfriedhof.--
  (Aus: "Kolonie und Heimat.")
   

Quelle: Köhlers Kolonial-Kalender 1912

von rado jadu 2000

 

Eine zierliche Waldbewohnerin: die Tigerkatze
Bild
Oncilla

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