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Das neue Kaiserreich und
der Beginn deutscher Kolonialpolitik

 

Nach der langen unheilvollen Zeit ohnmächtiger Zersplitterung war 1870 ein neues mächtiges Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. entstanden, das Zweite Deutsche Reich, das Bismarck auf den französischen Schlachtfeldern zur einheit zusammengeschmiedet hatte. Nun wäre auch der Weg frei gewesen zu einer weitgreifenden Kolonialpolitik: aber damals war die Welt schon fast ganz aufgeteilt, nur der schwarze Erdteil und die Inselwelt der Südsee waren noch für eine Kolonialerwerbung frei.

Die Hamburger Handelsfirma Godeffroy hatte damals allein in der Südsee mehr Schiffe laufen als das Britische Weltreich. Sie hatte, von Valparaiso aus, überall auf den Inseln der Südsee Faktoreien errichtet, auf Samoa, auf den Tonga -, Ellice und Gilbertinseln, bis zu den Salomonen und dem damaligen Bismarckarchipel. Auf all diesen Stützpunkte trieb sie Handel mit den Eingeborenen, erntete aber auch in eigenen Plantagen Kaffee, Zuckerrohr, Baumwolle und pflanzte überall Kokospalmen an, um Kopra zu gewinnen. Ihr Hauptsitz war Apia auf der Samoainsel Upolo, ihr Einflußgebiet erstreckte sich jedoch von Hinterindien bis nach Chile, so dass man den Inhaber des Hauses scherzhaft "König der Südsee" nannte. Das ganze Unternehmen wurde so geführt, dass es dem deutschen Namen hohe Ehre machte.
Ende der siebziger Jahre geriet die Firma Godeffroy in Zahlungsschwierigkeiten, aber nicht etwa durch das gutgehende Südseegeschäft, sondern wegen fehlgeschlagener europäischer Minenspekulation. Bismarck erkannte sogleich die Gefahr, die dem deutschen Volke drohte, wenn der 216 000 Morgen umfassende Südseebesitz dieses Hauses in englische Hände fiel. Außerdem ersah er klar die hier vorliegenden wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten. Wenn nicht die Früchte langjähriger Arbeit in der Südsee verlorengehen sollten, mußte das Reich eingreifen. Bismarck wünschte darum im Jahr 1880, dass der Reichstag eine Zinsgarantie von 300 000 Mark für die Gesellschaft übernehmen möge

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Zu Bismarcks Erstaunen fand diese sogenannte "Samoavorlage", deren Wichtigkeit für das Reich offenkundig war, im Reichstag erbitterten Widerstand, trotzdem der Referent der Vorlage, v. Kusserow, namens des Auswärtigen Amtes ausdrücklich erklärte:
"Die Samoavorlage ist keine Parteifrage, sondern eine Frage des Ruhmes und der Ehre Deutschlands."
Es geschah wirklich das Unglaubliche: die Samoavorlage wurde am 27. April 1880 vom Reichstag, mit 128 gegen 112 Stimmen abgelehnt.

Die Ablehnung der Samoavorlage erregte im deutschen Volke größte Entrüstung. Ein Sturm kolonialer Begeisterung ergriff weiteste Kreise, so dass dem bedrängten Hause Godeffroy alsbald soviel Gelder zuflossen, dass es seine Pflanzungen in Samoa ruhig weiter betreiben konnte. Bismarck aber faßte die Samoavorlage nur als Vorspiel zu einer deutschen Kolonialpolitik auf: er war fest entschlossen, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit endgültig zuzugreifen.

Im Jahre 1882 wurde der "Deutsche Kolonialverein" gegründet, dessen ausgesprochener Zweck es war, den Kolonialgedanken überall hinein in das deutsche Volk zu tragen und den Boden vorzubereiten, auf dem Bismarck später seine Kolonialpolitik aufbauen konnte.

Bismarck selbst verhielt sich gegenüber den kolonialen Forderungen anfangs stark zurückhaltend. Er hatte wenig Neigung, aus dem überschaubaren Bereich der europäischen Politik herauszutreten. Kolonialbesitz forderte nach seiner Meinung den Schutz einer starken Flotte. Sie wiederum mußte das Reich über kurz oder lang in Konflikt mit England bringen. Erst als die bescheidensten Forderungen nach unbesetzten afrikanischem Gebiet auf den Hochmut dieses alten Koloniallandes stießen, erwachte sein alter Kampfgeist.
Geschickt benutze er englische Schwierigkeiten mit Frankreich in Ägypten und mit Rußland in Afghanistan. Schlag auf Schlag wurde innerhalb eines Jahres (1884-1885) an fremden Gestaden die deutsche Flagge gehißt: von dem Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz in Angra Pequena, dem späteren Deutsch Südwestafrika, von dem Forschungsreisenden Nachtigal in Togo und Kamerun, wo der Hamburger Reeder Adolf Woermann den Weg geebnet hatte, von dem begeisterten Kolonialkämpfer Karl Peters gegenüber der Insel Sansibar, dem späteren Deutsch-Ostafrika, und von dem Reisenden Otto Finsch auf einem Teil Neuguineas und auf einigen Inselgruppen im Stillen Ozean.

Mit größter Vorsicht ließ Bismarck die staatliche Besitzergreifung dem Handel folgen. An keiner Stelle schritt er ihn voran. Er scheute sich sogar, die neuen Gebiete, die als Siedlungsland für größere Massen nicht in Betracht kamen, allzu eng mit dem Reich zu verknüpfen, Ihre wirtschaftliche Erschließung überließ er privater Unternehmungslust. Sie selbst blieben lediglich "Schutzgebiete", deren Verwaltung den verschiedenen Handelsgesellschaften unterstand. Bismarck wußte, das die Grenzen auch dieses Reiches am Rhein verteidigt werden mußte.

1885 gründete Carl Peters die "Deutsche-Ostafrikanische Gesellschaft." Im Jahre 1887 entstand dann die "Deutsche Kolonial Gesellschaft."

Das koloniale Interesse wuchs in jenen achtziger Jahren im selben Maße, als die deutschen Auswanderer damals immer größeren Umfang annahm. In den sechzig Jahren von 1820 bis 1880 waren rund 3 500 000 Deutsche ausgewandert; in den nur zehn Jahren von 1881 bis 1891 aber 1 350 000.

Der ebenso geniale wie tatkräftige Carl Peter trat in schärfster Weise gegen jene weltfremde Kreise, die in der Kolonialfrage immer nur theoretisch herumreden, aber nie praktisch handeln wollten. So sagte er einmal:
"nicht das macht uns in der Welt verhaßt, dass auch wir Kolonien haben wollen, sondern gerade, dass wir keine gründen und uns lieber schmarotzerich bei den anderen eindrängen und dort durch Unterbietung der Löhne und durch Handelswettbewerb ernten wollen ohne zu säen!"

Fakt ist, das jedes europäisches Land Kolonien hatte, um seine wirtschaftlichen Interessen zu stärken.

Quellen: Unsere Kolonien, 1938 Hase u Koehler Verlag, Das Werden unseres Volkes, Erwin Hölzle, Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Jadu 2000.

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