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Kriegsrundschau
Bericht in 2 Teilen
Teil 1 in Rot
Teil 2 in Grün

Der Raubzug gegen unsere Kolonien

aus Kriegsrundschau, 1915, Verlag der Täglichen Rundschau, Berlin

Fortsetzung und Ergänzung der wiedergegebenen amtlichen Zusammenstellung
von Nachrichten aus den deutschen Schutzgebieten.

Englands Bestreben ging von Anfang an dahin, unseren Handel lahmzulegen und uns in der Ferne der Stützpunkte zu berauben, die für die Bewegung deutscher Kriegsschiffe von Vorteil sein mußten. Der Raubkrieg gegen unsere Kolonien begann. Das Kolonialamt hat die kriegerischen Ereignisse während der ersten drei Monate zusammengestellt. Wir geben aus diesem amtlichen, Mitte November den Zeitungen zugestellten Bericht die wesentlichen Abschnitte wieder.

Togo
Kamerun
Deutschsüdwestafrika
Deutschostafrika
Samoa
Deutschneuguinea
Die Südseeinseln
Kiautschou

Besitzungen in der Südsee

Die kleineren Südseeinseln

Auf der Insel Jap (Westkarolinen) und Nauru (Marschallinseln) wurde die Nachricht vom Kriegsausbruch alsbald durch die dort befindlichen Funkenstation bekannt. In Jap durchschnitten die beiden Kreuzer "Hampshire" und "Minotaur" am 12. August das dort einmündende Kabel und zerstörten gleichzeitig die Funkenstation. In Nauru ist später die Funkenstation gleichfalls von englischen Streitkräften zerstört worden. Damit war die Verbindung des Inselgebietes mit der Außenwelt gänzlich unterbrochen. Nach englischen und japanischen Meldungen haben, abgesehen von den oben erwähnten Tatsachen in Jap und Nauru nur die Japaner Besetzungen von Gebietsteilen vorgenommen. Nach einer hier vorliegenden Meldung erschien am 3. Oktober ein japanisches Geschwader vor Jaluit, dem Sitz der deutschen Verwaltung der Marschallinseln, landete Truppen und nahm den Stationsleiter gefangen, der mit seiner Frau nach Japan gebracht und dort am 22. Oktober ausgewiesen wurde. Es sollen dann auch noch die Marianen (Saipan) wie auch die Palauinseln von den Japanern besetzt worden sein. Aus Tokio wurde unter dem 9. September über Amerika gemeldet, daß die japanische Presse die Abfahrt des Schiffes "Renkonmaru" mit zahlreichen Ansiedlern für Jaluit bekanntgegeben habe.

Es handelt sich in all diesen Fällen um nackten Diebstahl. Vielleicht sollte dieser Diebesstreich außerdem noch die Wut über die bisher nutzlosen Mühen der Japaner vor Tsingtau kühlen.

Fortsetzung

Im Inselgebiet haben nach ausländischen Nachrichten inzwischen die Japaner die wichtigsten Stationen besetzt. Es ist versucht worden, Näheres darüber zu ermitteln, welche Inseln von den Japanern besetzt worden sind, und wo diese eine provisorische Verwaltung eingerichtet haben. Die japanische Regierung hat es aber aus militärischen Gründen abgelehnt hierüber eine Auskunft zu geben. Nach Mitteilungen eines dortigen deutschen Beamten ist jedenfalls Jaluit von den Japanern schon am 29. September besetzt worden. Widerstand wurde der aus fünf Einheiten bestehenden japanischen Flotte nicht entgegengesetzt.

Die Japaner erklären zwar, daß die Insel so lange unter japanische Verwaltung gestellt werden solle, als die deutsche Flotte sich im Osten zeige, beließen jedoch alle deutschen Beamten unter gewissen Bedingungen in ihren Stellungen. Am 3. Oktober erschien wiederum ein japanisches Geschwader vor Jaluit.

Zuverlässige Nachrichten aus deutscher Quelle sind aus dem Inselgebiet inzwischen nur ganz spärlich eingegangen. Es war aus ihnen zu entnehmen, daß die in Jap zurückgebliebenen Beamten der Deutschniederländischen Telegraphengesellschaft unbehelligt geblieben sind und sich in gutem Gesundheitszustand befanden. Ob die Nachricht, daß die Japaner das Inselgebiet an die australische Regierung abgetreten haben, richtig ist, konnte mit Bestimmtheit nicht festgestellt werden.


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