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Kriegsrundschau
Bericht in 2 Teilen
Teil 1 in Rot
Teil 2 in Grün

Der Raubzug gegen unsere Kolonien

aus Kriegsrundschau, 1915, Verlag der Täglichen Rundschau, Berlin

Fortsetzung und Ergänzung der wiedergegebenen amtlichen Zusammenstellung
von Nachrichten aus den deutschen Schutzgebieten.

Englands Bestreben ging von Anfang an dahin, unseren Handel lahmzulegen und uns in der Ferne der Stützpunkte zu berauben, die für die Bewegung deutscher Kriegsschiffe von Vorteil sein mußten. Der Raubkrieg gegen unsere Kolonien begann. Das Kolonialamt hat die kriegerischen Ereignisse während der ersten drei Monate zusammengestellt. Wir geben aus diesem amtlichen, Mitte November den Zeitungen zugestellten Bericht die wesentlichen Abschnitte wieder.

Deutschostafrika

Deutschostafrika

Die kriegerischen Ereignisse in Ostafrika spielten sich in fünf weit voneinander liegenden Gegenden ab, und zwar an der Küste bei Daressalam, im Südwesten an der deutschenglischen Grenze zwischen Njassa- und Tanganjikasee, im Norden und Nordosten jenseits der deutschenglischen Grenze im englischen Gebiet auf dem Ostufer des Viktoriasees und in der Gegend nordöstlich des Kilimandscharo und schließlich im Nordwesten am Kiwusee. Während wir es an den vier zuerst genannten Stellen mit englischen Kolonialtruppen zu tun hatten, waren am letztgenannten Punkte die Belgier unsere Gegner.

Die Engländer eröffneten die Feindseligkeiten von der See her gegen Daressalam. Ihr kleiner Kreuzer "Pegasus" — nach privaten Nachrichten soll auch der englische kleine Kreuzer "Pandora" dabei beteiligt gewesen sein — versuchte durch Geschützfeuer den Funkenturm von Daressalam umzulegen, was ihm jedoch nicht gelang. Der Turm wurde später seitens des deutschen Gouverneurs entfernt.

Desgleichen wurde das im Hafen von Daressalam liegende, aber, da ohne Gefechtswert, bereits abgerüstete frühere Kanonenboot, jetzige Vermessungsschiff "Möwe" sowie das Schwimmdock von den Deutschen versenkt. Einige Tage später wurde der englische Kreuzer "Pegasus" von dem deutschen kleinen Kreuzer "Königsberg" vor Sansibar angegriffen und vollkommen gefechtsunbrauchbar gemacht (englischer Bericht).

Mitte August scheinen dann die Engländer Daressalam besetzt zu haben. Aus Privatnachrichten geht hervor, daß es gelungen ist, die in Daressalam garnisonierenden Abteilungen der Schutz- und Polizeitruppe nebst allen Vorräten an Munition, Ausrüstung sowie die Archive und alles Eisenbahnmaterial nach dem Innern in Sicherheit zu bringen. Das gleiche trifft für die Hafenstadt Tanga, den Ausgangspunkt der Usambarabahn, zu. In Ergänzung dessen wird noch in der "Augsburger Abendzeitung" mitgeteilt, daß sich in Deutschostafrika "alles vollkommen in Ordnung befände, die Leute wie in Friedenszeiten auf den Plantagen und Kontoren arbeiten, und nur ein Teil der Bevölkerung, soweit abkömmlich, zu Militärdiensten eingezogen wurde." Mangel an Nahrungsmitteln soll nicht herrschen.

An den englischen Mitteilungen über die Vorgänge auf den übrigen Kampfplätzen ist bemerkenswert, daß danach die Engländer nirgends es für gut fanden, den angeblichen allenthalben geschlagenen deutschen Truppen auf deutsches Gebiet zu folgen.

Am 26. September fand ein Gefecht bei Mzima am Tsavofluß statt. Eine starke deutsche Abteilung, einschließlich von 50 Europäern und sechs Maschinengewehren, griff die aus King's African Rifles bestehenden englischen Streitkräfte an. Auch hierbei sollen die Deutschen geschlagen worden sein und sich unter Zurücklassung von 17 gefallenen Eingeborenen (gemeint sind wohl Askaris) zurückgezogen haben. Es ist bemerkenswert, daß die Engländer auch hier trotz ihrer angeblichen Erfolge gegenüber den eingedrungenen Deutschen nichts von einer Verfolgung des geschlagenen Gegners und von Nachdrängen in deutsche Gebiet zu melden wissen. Die Gefechtskraft ihrer Truppen scheint demnach in den einzelnen Kämpfen doch stark gelitten zu haben. Bezeichnend sind auch das Verschweigen bzw. die ungenauen Angaben der Verluste bei ihren farbigen Truppen. Einen schönen Erfolg errang allem Anschein nach eine Abteilung der deutschen Schutztruppe über die bei Kissenji am Nordende des Kiwu eingedrungenen belischkongolesischen Truppen. Nach einer vom belgischen Gouverneur von Katanga in Havre eingetroffenen Meldungen sollen die belgischkongolesischen Truppen eine vollständige Niederlage erlitten habe.

Fortsetzung

Die auf Umwegen nach Deutschland gelangten, im gekürzten Stil gehaltenen Berichte des Gouverneurs von Deutschostafrika, Dr. Schnee, können kein vollkommenes Bild von der Kriegslage in Deutschostafrika liefern, sind aber immerhin wertvoller als die lückenhaften und entstellten Nachrichten aus den Lagern unserer Feinde.

Telegramm vom 7. Oktober 1914. Amtliche Nachricht über englische Kriegserklärung einging 5. August früh; am gleichen Tage aus Daressalam ausfahrender Dampfer "König" wurde von englischem Kreuzer beschossen, rückkehrte Hafen. Von Verteidigung offener Stadt Daressalam wurde abgesehen, Hafeneinfahrt durch Versenkung Docks gesperrt. Schutztruppe nahm landeinwärts Stellung.

8. August. Englische Kreuzer "Asträa" und "Pegasus" anliefen Daressalam, "Pegasus" beschoß ohne Erfolg Funkenturm, einstellte Feuer nach Hissung weißer Flagge. Kreuzer nahmen als Prisen Handelsdampfer "Tabora", "Feldmarschall", "König" und Flottillenfahrzeuge sowie im Hafen versenkte "Möwe". Funkenturm aus militärischen Gründen von uns durch Sprengung niedergelegt. Sämtliche beschlagnahmte Dampfer blieben im Hafen.

Im Innern wurde 13. August Sphinxhafen (Njassasee) auf Slip liegender Dampfer "Hermann v. Wissmann" von Engländern genommen. Kapitän und Maschinist, die noch ohne Kenntnis von Kriegsausbruch, gefangen.

15. August wurde unter Oberleitung Hauptmann v. Prince Taveta von der Schützenkompagnie unter Hauptmann Hering nach geringem Widerstand genommen.

17. August. "Pegasus" nahm als Prisen in gleichfalls unverteidigtem Tanga Handelsdampfer "Markgraf" und kleineres Fahrzeug, die Hafen blieben, wegführte 8. September einen Schlepper und einige Leichter.

22. August auf Tanganjikasee belgischer Dampfer an Lukugamündung von "Hedwig v. Wissmann" unter Oberleutnant zur See v. Horn schwer beschädigt, Gefecht mit belgischen Landgeschützen; diesseits keine Verluste.

23. August "Pegasus" bombardierte unverteidigtes Bagamoyo, da seine Verbindungen von Befehlshaber nahe befindlicher Schutztruppenkompagnie abgelehnt wurden. Einige dreißig Granaten gefeuert, zollstark, Bezirksamt leicht beschädigt, Einwohner rechtzeitig auf Mission zurückgezogen, keine Menschen verletzt, Gegner hat keinen Punkt der Küste besetzt.

29. August Zusammenstoß Patrouille Leutnant v. Oppen mit berittener englischer Abteilung bei Engarelen. Beim Gegner sechs Europäer, zwei Farbige tot; diesseits keine Verluste. Am 29. August stieß Europäerpatrouille bei Taveta auf englische Patrouille von einem Engländer und sechs Askari. Englischer Führer gefallen.

30. August wurden Posten bei Jassini mit Maschinengewehren beschossen.

2. September auf Straße nach Voi durch Patrouille drei englische Motorräder genommen. Ein Führer, anscheinend Italiener, gefangen. Diesseits keine Verluste.

7. September. Detachement Hauptmann Schulz stieß nach mehrtägigem Avantgardengefecht kurz vor der Station Tsavo der Ugandabahn auf sehr überlegenen Gegner. Nach 2½stündigem heftigen Gefecht zog sich Detachement Schulz zurück, da Versuch Umgehung Gegners auf 1½ Kilometer erkannt. Diesseits verwundet: Freiwilliger v. Hollwedel (soll wohl heißen:Holwede), vier Askari. Auf Gegenseite viele Verluste an Europäern und indischen Truppen. Englische Wasuheliaskari sollen sich weigern, gegen uns zu fechten.

Nach englischer Darstellung sollten sich die Verluste des Feindes in diesem Gefecht — abgesehen von Mannschaften— nur auf je einen englischen und indischen Offizier belaufen haben.

8. bis 9. September nachts wird Stabsarzt Dr. Schumacher bei Verwundetentransport überfallen und nach Meldung überlebender Eingeborener trotz Zeigen Genfer Flagge und Erkennengeben als Arzt niedergeschossen; es ist deshalb Protest an Gouverneur Nairobi gesandt.

9. September. Bezirksamt Moschi drahtet: Am 9. September 1914 kam es bei gewaltsamer Erkundung durch Oberleutnant Transfeld, zwei Europäer und 15 Askari gegen Makatabag (?) 4 Uhr nachmittags zu kurzem Feuergefecht mit überlegenem Gegner. Unteroffizier des Beurlaubtenstandes Kiefner verwundet, ein Askari tot. Beim Gegner ein Toter beobachtet. Vom Bezirksamt Neulangenburg ist Nachricht am 10. September eingegangen, daß Sturm der 5. Kompagnie auf Karonga am Njassasee am 9. September von Engländern abgeschlagen. Auf unsere Seite mehrere Europäer und eine Anzahl Askari tot und verwundet. Hauptmann v. Langen verwundet. Im übrigen liegen über Namen der Toten und Verwundeten noch keine sicheren Nachrichten vor. Arzt Dr. Gothein soll gefangen sein. Kompagnie über Grenze auf deutsches Gebiet zurückgezogen.

12. September Gefecht des Detachements Bock v. Wülfingen bei Kifii (nördlich Schirati) gegen sehr überlegenen Gegner in starker Stellung, sieben Stunden lang. Unsere Verluste: 8 Europäer tot, 11 verwundet, 27 Askari tot, 25 verwundet. Beim Gegner: 14 Europäer, 25 Farbige tot.

14. September wurde Grenze des Bukobabezirks durch die Engländer überschritten; letztere besetzten später das Gebiet bis zum Kagera.

15. September. Hauptmann Braunschweig aus Muansa -Viktoriasee: Der Hilfskreuzer "Muansa" hat den englischen Dampfer "Sybill", als er im Begriff war, 150 indische Soldaten und zwei Geschütze nördlich Schirati an der Karungubucht zu landen, angegriffen. Das Schiff "Sybill" ist durch mehrere Granatenvolltreffer schwer beschädigt. Die Besatzung hatte anscheinend viele Verluste durch unser Maschinengewehrfeuer. "Sybill" stellte ihr Feuern ein und dampfte nach Norden. Auf unserer Seite ein Askari verwundet. (Dampfer "Muansa" 34. To., Dampfer "Sybill" 600 To.). In den von uns nicht besetzten nördlichen Teil des Bezirks Bukoba sind Engländer eingedrungen.

In der englischen Meldung war die Beschießung und schwere Beschädigung des Dampfers "Sybill" durch unsere kleine "Muansa" und ebenso die damit vereitelte Absicht der Landung von Truppen auf unserem Gebiet gänzlich unterschlagen worden!

19. September, 6 Uhr vormittags, griff Abteilung Leutnant Langen in Elmapitzi am Diodureish (wahrscheinlich die Landschaft Elmabitet am Lodureishfluß, 50 Kilometer nordöstliche Taveta) an, Verluste des Feindes sollen sich auf 30 bis 40 belaufen. Diesseits tot fünf, verwundet vier Askari.

20. September. Vernichtung des Kreuzers "Pegasus" vor Sansibar durch die "Königsberg"; letztere keine Verluste.

22. September siegreiches Gefecht des Detachements von Boemken, Kompagnie Methner und arabisches Hilfskorps bei Majorini. 2 Europäer und 7 Farbige verwundet ; Gegner: zwei Europäer tot, 1 verwundet, 8 Askari tot, 7 verwundet.

24. September. Belgischer Posten in Nyakalengo auf Insel Kiwidschi wurde von unseren Truppen unter Hauptmann Wintgens angegriffen und ergab sich nach eineinhalbstündigem Gefecht. Verluste des Gegners: sechs Askari gefallen, sieben verwundet. Unserseits ein Askari verwundet. Kriegsgefangen ein Offizier und 44 Askari. Erbeutet etwa 50 Mausergewehre und viel Munition sowie belgisches Stahlboot. Folgende Tage Vorgehen gegen den Kongo nördlich und südlich des Kiwusees durch Hauptmann Wintgens und Motorboot unter Oberleutnant z.S. Wunderlich, belgische Station Goma genommen, ferner Insel Kiwidschwi.

25. September. Überfall auf verstärkte Abteilung Hauptmann Tafel wurde von 75 Reitern, in der Hauptsache Engländern und Buren, nördlich Longida ausgeführt. Nach etwa einhalbstündigem Gefecht floh Feind zersprengt und eilig. Nach Beendigung Gefechts wurden bei flüchtigem Zählen 19 tote Engländer und Buren festgestellt. Erbeutet 21 gesattelte Reittiere, 10 Gewehre, viele Patronen. Gegner konzentrierte Feuer stark auf die Europäer. Europäer und Askari der Detachements haben sich vorzüglich benommen. Stimmung der Truppe ist ausgezeichnet. Verlustliste: tot: Leutnant Walde, freiwillige Breitkreuz, Rothbletz, Hartmann, Kossel, sechs Askari; schwer verwundet: Hauptmann Tafel (Dumdumschuß), Unteroffizier des Beurlaubtenstandes Rieth (in Unterschenkel), Freiwilliger Brennicke, sieben Askari; leicht verwundet: Feldwebel Nickel, Feldwebel des Beurlaubtenstandes Beckel, Vizefeldwebel d. R. Dr. Sinnig, Freiwilliger Horn, Fritz Koenig, Haufschake, sechs Askari.

26. September im Gefecht bei Loldureish der 4. und 13. Kompagnie Lager Madorini genommen, zwei Geschütze und viele Gewehre erbeutet. Hauptmann Schulz mit 4. und 13. Kompagnie Patrouillenkorps ging gegen feindliches Lager in Stärke von zwei bis drei Inderkompagnien, Somali und Europäern, ferner drei Maschinengewehren und ein bis zwei kleinen Geschützen am Zusammenfluß von Tsavo und Loldureishfluß vor, um sie mit sechs Maschinengewehren zu beschießen. Nach kurzer Beschießung wurde wieder in das Lager zurückmarschiert. 10 Engländer, 20 englische Farbige sollen gefallen sein. Diesseits schwer verwundet: Hauptmann Schulz, Feldwebel Roehrig, Feldwebel der Landwehr Reinhardt, Reservist Fromm; leicht verwundet: Vizefeldwebel des Beurlaubtenstandes Wideweg, zwei Askari; ein Askari vermißt.

In den englischen Meldungen war als Ort des hier erwähnten Gefechts vom 26. September Msima am Tsavo angegeben worden.

Offenbar war die Kraft der englischen Truppen durch unsere Beschießung derart geschwächt worden, daß der feind sich nicht entschließen konnte den anscheinend ganz geordneten Rückzug der deutschen zu stören.

29. September. Hauptmann Baumstark hat Lager von Madorini (vermutlich in der Gegend der Umbamündung in den Indischen Ozean) (auf den Marsch nach Mombasa) angegriffen, welches von Engländern fluchtartig verlassen wurde. Vorgefunden zwei Vorderladergeschütze mit Munition, Verpflegung und Gewehre mit viel Munition. Durch durch schwarzpulverexplosion Feldwebel Hersing tödlich, Oberleutnant d.R. (Erster Referent) Methner schwer verwundet.

Indische Truppen waren auf dem Seewege von Mombassa aus nach Gazi (Britischostafrika) gebracht worden und sahen dann — anscheinend zu ihrer Verwunderung — "daß die deutschen von der Mombassaseite heranrücken." Die Engländer seien vor die Wahl gestellt gewesen, entweder selbst die Deutschen zurückzuschlagen oder aber von ihnen in die See getrieben oder völlig aufgerieben zu werden. Hieraus darf man entnehmen, daß Hauptmann Baumstark die Engländer umgangen und sie in eine sehr bedenkliche Lage gebracht hatte, aus der sie ohne die indischen Hilfstruppen sich nicht hätten befreien können. Der Gegner erlitt anscheinend schwer Verluste, besonders an Europäern. Von unseren Truppen wurden erbeutet drei Fahnen von farbigen Truppen, Gewehre, Instrumente einer indischen Musikkapelle und 120 Ziegen.

4. Oktober griffen vier belgische Kompagnien am Kiwusee nördlich von Kissenji die deutschen Truppen unter Hauptmann Wintgens an. Gegner erlitt schwere Verluste und wurde zurückgeworfen. Verwundet: Hauptmann Wintgens, Leutnant d.R. Lank, Sanitätsfeldwebel Dormeyer, Vizefeldwebel des Beurlaubtenstandes Pursche, Vermessungsmaat Walter.

Der Gouverneur skizzierte in einer Meldung vom 7. oder 8. Oktober die Gesamtlage so: Engländer haben nördlichen Teil Bukobabezirks bis Kagera besetzt. Teile unserer Truppen haben Taveta besetzt und stehen an anderen Punkten in Britischoatafrika nördlich unserer Grenze, Schutztruppen durch eingezogene und freiwillige Europäer sowie durch Polizeitruppe erheblich verstärkt, ferner arabisches Hilfskorps aufgestellt. Eingeborenenbevölkerung überall ruhig. Steuern zum Teil schon eingegangen. Trotz Einziehung mehrfähiger Europäer wird auf einem großen Teil der Pflanzungen noch weitergearbeitet, hauptsächlich Anbau von Lebensmitteln. Regenverhältnisse günstig. Post hat vorzügliches geleistet, auch Eisenbahnbetrieb hat sich großen Anforderungen gewachsen gezeigt.

Die größte bisher auf den Boden unserer Kolonien erfolgte Waffentat war die

Schlacht bei Tanga

in Deutschostafrika. Die amtlichen Meldungen des Gouverneurs wurden durch "W.T.B." am 16. Januar veröffentlicht:

Die Kämpfe haben am 3., 4. und 5. November stattgefunden. Am 2. November erschienen die Engländer mit zwei Kriegsschiffen und zwölf Transportschiffen vor Tanga und forderten bedingungslose Übergabe, die aber vom Gouverneur Dr. Schnee abgelehnt wurde. Darauf dampften die Schiffe ab, erschienen aber am dritten Tage vor Tanga und landeten vor Ras Kasone ein europäisches und vier indische Regimenter, darunter auch Kavallerie, mit etwa acht Maschinengewehren und neun Geschützen. Auch Marinetruppen wurden ausgeschifft. Die schweren Schiffsgeschütze des Kreuzers "Fox" unterstützten den Angriff der feinde von der See aus. Das feindliche Landungskorps wurde in erbitterten dreitägigen Kämpfen mit schweren Verlusten auf feindlicher Seite zurückgeschlagen. Am 4. November währte der Kampf ununterbrochen 15½ Stunden. Am Abend fand das entscheidende Gefecht gegen die gesamte feindliche Streitmacht trotz heftigster Beschießung der Stadt durch feindliche Schiffsgeschütze statt. Das Feuer unserer Geschütze setzte einen englischen Transportdampfer in Brand. Auch der Kreuzer "Fox" erhielt schwere Treffer.

Am 6. zogen zogen die englischen Schiffe nach Norden ab. Das Landungskorps hatte eine Stärke von ungefähr 8 000 Mann, während die Unsrigen 2 000 Mann zählten. Die Verluste der Engländer betrugen über 3 000 Mann an toten, Verwundeten und Gefangenen. Unsere Verluste waren gering; ziffermäßige Angaben stehen noch aus. Erbeutet wurden nach flüchtiger Zählung: 8 Maschinengewehre, 300 000 Patronen, 30 Feldtelephonapparate, über 1 000 wollene Decken, ferner viele Gewehre und Ausrüstungsstücke und große Mengen Proviant.

Die Stimmung unserer siegreichen Truppen (Schutz- und Polizeitruppe und Kriegsfreiwillige aus dem Schutzgebiet) war ausgezeichnet; auch die Askari bewiesen aufopfernde Hingabe und Heldenmut. Die volle Tragweite der englischen Niederlage ist von hier aus noch nicht annähernd zu übersehen.


Am 13. Februar wurde noch eine ergänzende amtliche Meldung bekanntgegeben, wonach der Feind mit acht Kompagnien des North Lancashire Regiments und acht indischen Regimenten von unseren Truppen unter Oberstleutnant v. Lettow-Vorbeck bei Tanga vernichtend geschlagen war. Der Feind ließ 150 Engländer und 600 Inder tot auf dem Kampfplatz; 60 Schwerverwundete wurden von den abfahrenden Schiffen mitgenommen, darunter befanden sich zwei Oberstleutnants und mehrere andere Offiziere, die sich ehrenwörtlich verpflichteten, nicht mehr gegen uns zu kämpfen. Wir hatten 15 Tote, darunter Hauptmann v. Prince. Die amtliche Nachricht sagte weiter noch, daß die bei Kisumbiro, westlich des Viktoriasees, in den deutschen Bezirk Bukoba eingedrungenen englischen Truppen im November von unseren Truppen unter Major v. Stürmer aus deutschem Gebiet herausgeworfen seien. Englisch - Kisiba wurde besetzt. "Gegenwärtig ist Deutschostafrika völlig frei vom Feind. Teile deutscher Truppen stehen auf feindlichem Gebiet in Britischostafrika und Uganda". Vor der ostafrikanischen Küste kreuzten die englischen Schiffe "Chatham", "Dartmouth", "Weymouth", "Fox" und einige Hilfskreuzer.

Der Kaiser drückte seinen Dank und seine Anerkennung durch folgende Worte an den Staatssekretär Dr. Solf aus:

Großes Hauptquartier, 18 Januar 1915. Ihre Meldung von dem schönen Sieg bei Tanga in Ostafrika hat Mich hoch erfreut. Ich spreche Ihnen zu dieser Ruhmestat unserer Schutztruppe Meinen herzlichsten Glückwunsch aus. Übermitteln sie Meine Anerkennung an die braven Männer, die fern von der Heimat vierfache Überlegenheit entscheidend geschlagen haben zur Ehre des deutschen Namens. Das Vaterland ist stolz auf diese Söhne.
Wilhelm I.R.

Ein amtlicher Bericht aus Deutschostafrika, der am 13. Februar veröffentlicht wurde, hatte folgenden Inhalt:

Bei der Beschießung des Rufidjideltas durch drei englische Kreuzer wurde am 7. November die versuchte Einführung von vier armierten feindlichen Barkassen und einem Dampfer durch Maschinengewehrfeuer vereitelt, am 11. November ein großer englischer Dampfer in der Mündung bei Simba-Uranga versenkt, der unter Geschützfeuer von Kreuzern, eskortiert durch vier armierten Barkassen und einen Dampfer, einfuhr. Beim Gefecht vier Europäer der Küstenwache leicht verwundet. Feind hatte Verluste; Näheres unbekannt.

Ebenfalls im November griff belgische Kompagnie mit zwei Maschinengewehren deutsche Stellung unter Leutnant Hasselbacher (wahrscheinlich Lt.d.Res. Haßlacher) bei Pambete und Kasakalawe auf britischem Gebiet am Südende des Tanganjikasees an, während "Kingani" und "Hedwig Wissmann" auf Abtransport erbeuteten Telegraphenmaterials abwesend. "Hedwig Wissmann" kehrte zurück und nahm am Kampf teil. Nach fünfstündigem Gefecht ging Gegner zurück unter Zurücklassung von fünf toten Askari und unter Mitnahme von mehreren toten und verwundeten Europäern und Askari. Bei uns leicht verwundet ein Maat und zwei Askari. Auf Land liegender englischer Dampfer "Cecil Rhodes" wurde gesprengt, Englischer Dampfer von Größe unserer "Kingani" wurde bei Kituta am Tanganjikasee von "Hedwig Wissmann" und "Kingani" unter Kapitänleutnant Hendrik zerstört, ferner ein englisches Stahlboot genommen.

Über die wiederholte Beschießung von Daressalam teilte Gouverneur Dr. Schnee folgende Einzelheiten mit:

"Am 28. November anliefen Schlachtschiff "Goliath", Kreuzer "Fox", ein Kabeldampfer und ein Schlepper Daressalam. Nach Verhandlungen unter Parlamentärflagge gestatte Vertreter Gouvernements die Einfahrt einer englischen Pinasse in den Hafen zur Prüfung, daß dort liegende Dampfer der Deutschostafrika Linie nicht betriebsfähig. Unter Bruch getroffener Abrede einfuhren in Abständen zwei weitere, mit Maschinengewehren bewaffnete englische Pinassen und richteten durch Sprengen der Maschinen aus den Dampfern "Feldmarschall", "König" und "Kaiser Wilhelm" Schaden in Höhe von einigen 100 000 Rupien an. Ein Teil der Dampferbesatzungen, darunter eine Stewardeß, wurde gefangengenommen. Als dann noch eine dritte armierte Pinasse einfuhr, wurde sie von unserem Maschinengewehr beschossen. Darauf Bombardement von Daressalam, unter dessen Schutz herausfahrt der Pinassen unter Verlusten gelang. Dreizehn Engländer wurden gefangengenommen, darunter Leutnant Commander Patterson von "Goliath". Das Gouverneurspalast wurde völlig zusammengeschossen, weitere Häuser beschädigt. Am 30. November erschienen die Kriegsschiffe wieder. Ihre Signale auf Wiederaufnahme von Verhandlungen blieben mit Rücksicht auf den Vertragsbruch der Engländer vom 28. unbeachtet. Darauf bombardierten die Kriegsschiffe nochmals die offene und unverteidigte Stadt Daressalam. Eine Reihe von Häusern wurde schwer beschädigt, eine Anzahl von Suahelifrauen getötet oder verwundet."

Die Darstellung "Reuters", daß Daressalam "wegen Mißbrauchs der weißen Flagge seitens der Deutschen" beschossen worden sei, bedarf keiner Zurechtweisung mehr.

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