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Kriegsrundschau
Bericht in 2 Teilen
Teil 1 in Rot
Teil 2 in Grün

Der Raubzug gegen unsere Kolonien

aus Kriegsrundschau, 1915, Verlag der Täglichen Rundschau, Berlin

Fortsetzung und Ergänzung der wiedergegebenen amtlichen Zusammenstellung
von Nachrichten aus den deutschen Schutzgebieten.

Englands Bestreben ging von Anfang an dahin, unseren Handel lahmzulegen und uns in der Ferne der Stützpunkte zu berauben, die für die Bewegung deutscher Kriegsschiffe von Vorteil sein mußten. Der Raubkrieg gegen unsere Kolonien begann. Das Kolonialamt hat die kriegerischen Ereignisse während der ersten drei Monate zusammengestellt. Wir geben aus diesem amtlichen, Mitte November den Zeitungen zugestellten Bericht die wesentlichen Abschnitte wieder.

Samoa

Besitzungen in der Südsee

Samoa

Der Pflanzer und Leutnant der Reserve Theodor Offenberg, dem es gelang, nach Kriegsausbruch das Schutzgebiet Samoa zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren, teilte hier über die Zeit vom Kriegsausbruch bis zu seiner Abreise aus dem Schutzgebiet folgendes mit:
Am 2. August fing die eben fertiggestellte drahtlose Station in Tafaigata die erste Nachricht von der Mobilmachung gegen Rußland auf. Auf die gleiche Weise wurde die Nachricht von der französischen und englischen Kriegserklärung am 4. bzw. 5. August bekannt. Der Gouverneur Dr. Schulz weilte Tag und Nacht in der Station Tafaigata; doch gingen keine direkten Nachrichten aus Berlin ein. Auf das Bekanntwerden der Mobilmachung hin ordnete der Gouverneur an, daß sich sämtliche dienstpflichtigen Europäer zur Verfügung hielten und mit den vorhandenen Gewehren bewaffnet wurden. Die Station Tafaigata wurde militärisch besetzt, und der Rest der Mannschaften sollte im Falle von Unruhen unter den Eingeborenen und Chinesen Verwendung finden. Es wurde beschlossen, die Kolonie im Falle eines feindlichen Angriffes ohne Widerstand zu übergeben, da ein solcher unter den gegebenen Verhältnissen aussichtslos erscheinen mußte. Alle wichtigen Dinge, die für den Feind von Vorteil sein konnten, wurden beseitigt.

Weitere unmittelbare Nachrichten aus dem Schutzgebiete liegen nicht vor. Über Amerika erfuhren wir am 6. September, daß am 29. August britische Seestreitkräfte Apia, den Sitz der deutschen Verwaltung Samoas, ohne Widerstand besetzt hätten.


Fortsetzung

In diesem Schutzgebiet haben sich seit der Besetzung durch neuseeländischen Streitkräfte neue kriegerische Ereignisse nicht zugetragen. Wie aus der inzwischen hierher gelangten "Samoanischen Zeitung" und auch aus englischen Nachrichten hervorgeht, war allerdings am 14. September das deutsche Südseegeschwader vor Apia erschienen. Es dampfte jedoch am Nachmittag wieder ab, ohne das es zu einem Kampf zwischen dem Geschwader und den englischen Besatzungstruppen von Apia gekommen wäre. Die von den Engländern eingerichteten provisorische Verwaltung wurde inzwischen weiter ausgebaut. Das Verhältnis zwischen deutschen und englischen Ansiedlern scheint den Umständen entsprechend gut zu sein. Die im Anfang ausgebrochenen Unruhen unter den Chinesen sind offenbar im Keim erstick worden; wenigstens sind neue Nachrichten über den Ausbruch von Unbotmäßigkeiten unter den chinesischen Arbeitern hier nicht eingegangen.

Den Schutz der Deutschen hat inzwischen auf Ansuchen der Reichsregierung der in Apia residierenden Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika übernommen.


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