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Kriegsrundschau
Bericht in 2 Teilen
Teil 1 in Rot
Teil 2 in Grün

Der Raubzug gegen unsere Kolonien

aus Kriegsrundschau, 1915, Verlag der Täglichen Rundschau, Berlin

Fortsetzung und Ergänzung der wiedergegebenen amtlichen Zusammenstellung
von Nachrichten aus den deutschen Schutzgebieten.

Englands Bestreben ging von Anfang an dahin, unseren Handel lahmzulegen und uns in der Ferne der Stützpunkte zu berauben, die für die Bewegung deutscher Kriegsschiffe von Vorteil sein mußten. Der Raubkrieg gegen unsere Kolonien begann. Das Kolonialamt hat die kriegerischen Ereignisse während der ersten drei Monate zusammengestellt. Wir geben aus diesem amtlichen, Mitte November den Zeitungen zugestellten Bericht die wesentlichen Abschnitte wieder.

Togo
Kamerun
Deutschsüdwestafrika
Deutschostafrika
Samoa
Deutschneuguinea
Die Südseeinseln
Kiautschou

Deutschsüdwestafrika

Am 18. August konnte der Gouverneur über Kamina melden daß bis zu diesem Tage kein Angriff auf das Schutzgebiet erfolgt sei. Bald darauf hörte jeder funkentelegraphische Verkehr mit Südwestafrika auf. Nach seither eingegangenen Nachrichten aus fremder Quelle kam es bis jetzt auf verschiedenen, räumlich weit voneinander entfernten Orten zu Zusammenstößen mit englischsüdwestafrikanischen Streitkräften, und zwar an der Küste bei Lüderitzbucht und Walfischbai, im Süden am Oranjefluß und endlich im Caprivizipfel in Nordosten.

Über die Ereignisse an der Küste liegen folgende Nachrichten vor:
Am 8. September besetzte eine kleine deutsche Abteilung die englische Niederlassung an der Walfischbai. Am 19. September erschienen englische Schiffe vor Lüderitzbucht, schifften Truppen aus und besetzten den Ort, ohne Widerstand zu finden. Die Besatzung hatte sich am Tage vorher nach Zerstörung der Bahn und des Funkenturms ins Innere zurückgezogen. Am 28. September soll es dann nach englischen Berichten in der Nähe von Lüderitzbucht zu einem Gefecht gekommen sein, bei dem auf deutscher Seite fünf Mann gefallen und zwei verwundet wurden, während die Engländer drei Tote und vier Verwundete hatten. Zu weiteren Unternehmungen kam es an der Küste nicht.

Im Süden scheint der englische Einbruchsversuch nicht von Erfolg gewesen sein. Nachdem zuerst über Kapstadt gemeldet worden war, daß bei Steinkopf am Oranjefluß am 15. September eine deutsche Patrouille von südafrikanischen berittenen Schützen überrascht und nach kurzem Scharmützel zur Übergabe gezwungen worden sei, hörte man aus London, daß ein aus Engländern, Buren, Afrikandern und Eingeborenen bestehendes Expeditionskorps den Oranje überschritten habe. Es hieß weiter, daß die "aufständischen Herero" die Unionsflagge gehißt hätten. Die Richtigkeit der letzten Angabe, die darauf schließen ließe, daß die Eingeborenen an der Südgrenze unseres Gebietes — wobei es sich übrigens nicht um Herero, sondern nur um Hottentotten handeln könnte — unsicher wären, muß füglich angezweifelt werden. Die über den Oranje vorgedrungene Kolonne scheint nicht weit gekommen zu sein.

Eine amtliche Meldung aus Pretoria von Anfang Oktober sagt nämlich, daß in einem Gefecht im Gebiet Sandfontein — Warmbad die vereinigten Engländer und Südafrikaner 15 Tote, 41 Verwundete, 7 Vermißte und 35 Gefangene verloren hätten. Die Tatsache der englischen Niederlage wurde durch Mitteilung aus Johannesburg vom 8. Oktober nicht nur bestätigt, sondern es erhellt daraus auch, daß die Verluste des Feindes die ersten Angaben noch ganz erheblich übertreffen. Danach sind fast zwei volle Schwadronen des ersten Regiments berittener Kapschützen und eine Abteilung der transvalischen reitenden Artillerie — insgesamt 200 Mann — in die Hände der Deutschen gefallen.

Auch ihr Führer, Oberst Grant, geriet verwundet in Gefangenschaft. Ein Versuch des Feindes, durch zwei andere, zur Hilfe gesandte Schwadronen die Lage zu retten, mißlang, nachdem letztere durch Maschinengewehrfeuer Verluste erlitten hatten. Scheinbar um die eigenen Mißerfolge zu bemänteln, verbreitete sich dann die "Cape Times" vom 7. Oktober über die Schwierigkeiten, die der Südafrikaner in Deutschsüdwestafrika warteten. Es heißt darin, daß die Deutschen über mindestens 10 000 vorzüglich ausgebildete Soldaten verfügten, von denen der größere Teil aus berittener Infanterie bestehe. Auch ein Kamelkorps von 500 Reitern sowie viele Maschinengewehre und 66 Batterien Feldgeschütze seien vorhanden. Es gäbe viele Polizeiposten in festen Blockhäusern, die telephonisch, oftmals unterirdisch, miteinander verbunden und mit mehreren Maschinengewehren ausgerüstet seien. Das Gelände sei schwierig und besitze mehrere gute Verteidigungsstellungen. Auch die Wasserfrage sei meist schwierig zu lösen, jedoch sei die Zeit von Oktober bis April in dieser Hinsicht günstiger.

Fortsetzung

Anfang Januar 1915 sind in Berlin über die Ereignisse in Südwestafrika, besonders in Lüderitzbucht, und über die Besetzung dieses Ortes durch die englischsüdafrikanischen Streitkräfte Berichte eingegangen. Diese stammen von angehörigen neutraler Staaten, die sich dort aufhielten und dann von den Engländern ausgewiesen wurden. Einer dieser Berichte schildert die dortigen Vorgänge recht eingehend und spricht unter anderem über die Mobilmachung der Union gegen Deutschsüdwestafrika am 8. September 1914. Etwa am 15. September fand in Kapstadt eine Parlamentssitzung statt, in welcher der Krieg der Union gegen Deutschsüdwestafrika mit großer Majorität beschlossen wurde, und bereits am 19. September 1914 erschienen die Engländer mit zwei Kreuzern, vier Torpedobooten und zwölf Transportschiffen vor

Lüderitzbucht.

Es landeten 8 000 Mann unter dem Befehl des früher als englischer Konsul in Lüderitzbucht tätig gewesenen Oberstleutnants Müller. Etwa zur gleichen Zeit oder kurz nachher sollen auch in Porth Kolloth 8 000 Mann und in Swakopmund angeblich ebensoviel gelandet worden sein.

Die Deutschen hatten die Lüderitzbuchteisenbahn bis zum letzten Augenblick in Betrieb gehalten und fast die gesamten Lüderitzerbuchter Vorräte nach dem Innern gebracht. Kurz vor dem Eintreffen der Engländer hatten sich der Bezirksamtmann mit den noch anwesenden Regierungsbeamten nach dem Innern zurückgezogen, und daraufhin wurden, nachdem das gesamte rollende Eisenbahnmaterial in Sicherheit gebracht worden war, die Bahngleise durch Sprengungen zerstört. Die Engländer haben aber zahlreiches Eisenbahnbaumaterial in Lüderitzbucht gelandet und sollen sofort an die Wiederherstellung der Bahn gegangen sein.

Die gesamte, in Lüderitzbucht und Kolmannskuppe zurückgebliebene Zivilbevölkerung ist als kriegsgefangen behandelt und nach Gefangenenlagern in der Kapkolonie geschafft worden. Die Männer sollen in das Gefangenenlager Robertsheight bei Pretoria, die Frauen und Kinder in das Gefangenenlager Port Napier bei Pietermaritzburg gebracht worden sein. Am 26. September, nachmittags 4 Uhr, wurden wir eingeschifft. (Auch der Berichterstatter, obwohl Angehöriger eines neutralen Staates, war mitausgewiesen worden.) Mit mir zusammen fuhren genau 100 Personen, 56 Männer, der Rest Frauen und Kinder. Wir wurden mit dem Viehtransportdampfer (!) " Clou Macmillan" nach Kapstadt geführt. Es befanden sich an Bord keine Kabinen, sondern wir waren beauftragt, Bettzeug mitzubringen. Die Verhältnisse an Bord dieses schmutzigen Viehdampfers, wo wir in den Ställen unter Deck untergebracht wurden, waren unglaublich elend: nur Engländer können es wagen, einer wehrlosen und friedlichen Zivilbevölkerung derartiges zu bieten! Der Mut und die Ruhe der Deutschen waren bewundernswert. Als der Schlepper, der uns zum Viehdampfer bringen sollte, vom Kai abfuhr, sangen diese "Kriegsgefangenen" trotz allem nochmals "Deutschland, Deutschland über alles" und "Heil dir im Siegerkranz", was den Engländern sehr imponierte.

Die Stimmung in Kapstadt war natürlich sehr gehässig gegen alles, was deutsch war, wofür noch die Behörden, wie es schien, besonders sorgten. Doch wurden die Lügenberichte der Zeitungen kühl empfangen und fanden wenig Glauben. Es schien, als ob die Leute nicht recht wagten, ihre Meinung zu sagen. Für den Kolonialkrieg waren die Kapstädter gar nicht begeistert; denn die Zeiten waren schon an und für sich schlecht und viele Leute arbeitslos geworden.

Die meisten Geschäfte in Lüderitzbucht, unter anderem die Lüderitzbuchtgesellschaft und die Afrikabank, sollen in englische Verwaltung genommen worden sein. Der britische Konsul Müller ist später mit der Zivilverwaltung Lüderitzbuchts betraut worden, während der Befehl über die Truppen auf einen anderen Offizier übergegangen ist. Nachdem die Besetzung Lüderitzbuchts vollzogen worden war, sollen ein Kreuzer und die vier Torpedoboote von Lüderitzbucht zurückgezogen und nur ein Kreuzer dauernd vor Lüderitzbucht stationiert worden sein.

Der Berichterstatter betont noch, daß nach seinen Beobachtungen der Konsul Müller bemüht gewesen sei, die Ordnung in Lüderitzbucht aufrechtzuerhalten; trotzdem sei es ihm nicht gelungen, die englischen Soldaten von Plünderungen und Zerstörungen von Privateigentum zurückzuhalten; insbesondere sei die Einrichtung der leerstehenden Wohnungen völlig zerstört worden.

Ein kürzerer Bericht von einem deutschen Bürger aus Lüderitzbucht bestätigt die Angaben über die Plünderung der Stadt, über Diebstähle der Engländer am Privateigentum der Bürgerschaft und deren Abführung in die Gefangenschaft.

Ferner wird darin erwähnt, daß am 26. September bei Kolmannskuppe ein Gefecht stattgefunden hat, wobei 80 Deutsche und 150 Engländern gegenüberstanden. Die Verluste waren an beiden Seiten gleich: je 5 Tote und 3 Verwundete. Die Engländer zogen sich dann nach Lüderitzbucht zurück. Einige hundert Buren sollen auf deutscher Seite mitgekämpft haben.

Besondere Beachtung verdient die Mitteilung des Berichterstatters, daß die Lüderitzerbuchter Diamantenfelder von den Engländern abgebaut würden.

Aus den Berichten geht auch hervor, daß Südwestafrika nicht die Offensive ergriffen, sondern etwaige Angriffe seitens der Engländer bzw. der Südafrikanischen Union abgewartet hat. Von Bedeutung in dieser Hinsicht ist die Angabe des sehr sorgfältig verfaßten Berichtes, daß die Eroberung von Walfischbucht durch die Deutschen erst am 24. September stattgefunden hat, nicht aber, wie nach englischen Quellen wiedergegeben, schon am 8. September. Ein englischer Hilfskreuzer, der in der Nähe der Walfischbucht lag, soll nach Swakopmund gefahren sein. Die Leute von der Station wollen darauf eine Kanonade gehört haben, etwa 20 bis 30 Schüsse, woraus man schloß, daß

Swakopmund

nunmehr von den Engländern beschossen würde. Die Bestätigung dieser Mitteilung erhielten wir durch folgende Bekanntmachung:

Berlin, 18. Januar. Nach amtlicher Meldung des Gouverneurs von Deutschsüdwestafrika wurde am 21. Oktober v. J. die offene und unverteidigte Stadt Swakopmund von den Engländern beschossen, nachdem schon vorher der Kommandant des in der Walfischbucht liegenden Hilfskreuzers "Kinsauns Castle", Kapitän Crampton, wiederholt die Beschießung angedroht hatte.

Am 16. Dezember erlitten die Engländer bei Garub eine Niederlage; sie mußten sich nach blutigem Treffen zurückziehen. Später wurde sogar die Kapkolonie zum Schauplatz von Kämpfen. Über eine Schlappe bei

Kakamas

unterrichtet eine amtliche deutsche Meldung aus Südwestafrika. Danach hat Major Ritter Anfang Februar die am Nordufer des Oranjeflusses bei Kakamas verschanzten Engländern angegriffen, sie über den Oranje zurückgeworfen und sämtliche Fahrzeuge zum Übersetzen über den Fluß zerstört. "Reuter" wußte hingegen über einen "abgeschlagenen Angriff" der Deutschen und ihren "Rückzug unter schweren Verlusten" zu erzählen. Ebenso wurde vom "Reuterbüro" Meldungen über Gefechte bei Pomona und Bogenfels Anfang Februar gebracht; diese Berichte sind vermutlich wieder derartig gefärbt oder verstümmelt, daß sie kein wahres Wort enthalten.

Nach englischen Meldungen vom 19. Februar haben die Deutschen die von Lüderitzbucht ausgehende Eisenbahn durch Dynamitsprengungen für den Feind unbrauchbar gemacht; vor Swakopmund stießen die englischen Landungstruppen auf Minen, und in der Nähe von Garub wurden Bomben aus deutschen Flugzeugen auf die britischen Truppen geworfen. Diese Einzelheiten geben den besten Beweis für die Tatkraft, mit der von unseren Afrikanern auf fernen Posten ausgeharrt wird.

Über Zusammenstöße mit portugiesischen Truppen an der Grenze von

Angola

gab die Lissabonner Presse vom 6. November folgende Darstellung des Vorganges von Naulila: Die Deutschen hätten angeblich zwecks Viehkaufs die Grenze Angolas überschritten. Hierbei sei es zu einem Zusammenstoß mit der portugiesischen Besatzung des Postens gekommen... Wahrscheinlich — und diese Auffassung wird von Kennern der Verhältnisse Angolas unterstützt— handelte es sich bei dem geschilderten Vorfall nur um einen Zusammenstoß der portugiesischen Postenbesatzung mit dort umherziehenden zweifelhaften Elementen, die den "Viehankauf" auf ihre eigene Art betreiben und so in Konflikt mit Gesetz und Recht geraten. Derartige Vorfälle sollen sich in Südangola alljährlich abspielen.

Ähnlich wird es sich bei dem angeblich am 31. Oktober erfolgten Einfall einer deutschen Expedition in der Nähe des Forts Cuangar an der deutschportugiesischen Grenze verhalten haben, obwohl "Reuter" die wildesten Geschichten in die Welt sandte. Über ein Gefecht mit siegreichen Ausgang für die Deutschen, das unsere südwestafrikanische Schutztruppe am 18. Dezember 1914 bei Naulila, einem portugiesischen Militärposten an der Grenze Angolas, bestanden hat, traf ein kurzer amtlicher portugiesischer Bericht zuerst am 28. Dezember ein. Der Angriff der Deutschen auf die Truppen des Obersten Roçadas stellte sich als die Folge eines tätlichen Angriffs der Portugiesen auf deutsche Untertanen in Naulila dar, wobei Leutnant Lösch, Dr. Schultze und Herr Jenssen erschossen wurden. Über den Verlauf des Gefechtes selbst brachte die Zeitung "O Mundo" am 9. Februar nach Berichten von am Kampf beteiligten portugiesischen Offizieren eine ausführliche Schilderung, die in der Übersetzung wiedergegeben sei:

"Das Gefecht bei Naulila hat am 18. Dezember stattgefunden, genau zwei Monate nach dem bekannten Vorfall, der die Veranlassung zu dem Angriff der Deutschen gegeben hat. Das Gefecht begann um 5 Uhr morgens und dauerte vier Stunden. Das Ende wurde durch die Flucht unserer Truppen herbeigeführt. Der Befehlshaber Roçadas hatte ungefähr 1000 Mann. Der Rest der Truppen war auf die verschiedenen Posten im Cuamatagebiet und an den Übergängen des Kunene verteilt, um diese zu bewachen. Wie groß die Zahl der deutschen war, kann niemand mit Sicherheit sagen; einige sprechen von 3 000 Mann, andere von 9 000 Mann, wieder andere behaupten, daß sie weniger zahlreich waren als wir. Sicher ist, daß alles weiße Soldaten waren. Selbst die Infanterie war beritten. Ebensowenig ist zu bezweifeln, daß sie besser bewaffnet waren als die unsrigen. Sie hatten acht Kanonen und sechzehn Maschinengewehre, während wir nur über drei Geschütze und vier Maschinengewehre verfügten.

Die Deutschen waren schon vor einigen Tagen angekommen und hatten um Kunene ein Lager bezogen, einige Kilometer weiter unten nach Osten zu. Roçadas erwartete daher, daß sie von Osten und Süden angreifen würden. Deshalb hatte er nach dieser Seite seine Stellung eingenommen und in einem Halbkreis Schützengräben angelegt, während er die Westflanke am Flusse fast vollständig unbesetzt ließ. Aber gerade gegen diese Flanke haben die Deutschen den größten Teil ihrer Kräfte aufgestellt und besonders die Artillerie, mit der sie zugleich das Fort und die nach Osten und Süden aufgestellten Truppen beschossen, so daß sich diese im Rücken angegriffen sahen. Zu bemerken ist, daß unsere Stellung ein bis eineinhalb Kilometer sich vom Fort entfernt befand. Roçadas erwartete den Angriff am 18., und in der Tat begann er auch bei Tagesanbruch mit mit einer plötzlichen furchtbaren Artillerie- und Infanteriesalve.

Die Deutschen hatten, einen großen Umweg nach Süden machend, während der Nacht, und ohne daß jemand es gemerkt hätte, ihre Infanterie- und Artilleriestellungen 200 bis 300 Mtr. von den Schützengräben entfernt eingenommen. Häuser des Forts waren mit Stroh bedeckt, und die feindliche Artillerie versuchte sofort, sie in Brand zu schießen. Der als Munitionsdepot dienende Schuppen bildete das erste Ziel und wurde zuerst getroffen. Nach kurzer Zeit flog er in die Luft. Innerhalb des Forts stand ein mit Munition beladenes Fahrzeug, das ebenfalls zum Ziel genommen wurde und bald in die Luft flog. Nach einem vierstündigen Kampfe, als die Truppen alle Patronen aus den Patronentaschen verbraucht hatten, waren wir gezwungen, uns eiligst zurückzuziehen, da ein Ersatz der Artillerie- und Intanteriemunition nicht mehr vorhanden war.

Über unsere Stellung waren die Deutschen ausgezeichnet unterrichtet. Dadurch werden die Ereignisse erklärt. Der Befehlshaber hatte einen Mann in seinen Diensten, der ihn verraten hat. Er war vor einigen Jahren von Deutschsüdwest nach dem Planato (der Hochebene von Mossamedes) gekommen und hatte vorgegeben, ein Opfer der Deutschen zu sein. Dem Befehlshaber war gesagt worden, daß die Deutschen nur 350 Mann stark wären und nur eine Kanone und ein Maschinengewehr hätten, sowie daß sie von Süden angreifen würden. Der Mann verschwand am Vorabend des Gefechts und wurde nicht mehr gesehen. Am besten hatte sich die erste Schwadron gehalten. Fast alle ihre Offiziere und ein großer Teil der Leute sind auf dem Platze geblieben, ungerechnet die Pferde, von denen 100 von 130 getötet wurden. Die Deutschen zielten vornehmlich auf die Pferde. Nach der Schwadron haben die Landins (Volksstamm von Sambesi) aus Mosambik am meisten gelitten. Die Zahl der gefallenen und vermißten Soldaten ist nicht bekannt. Einige sprechen von 150, andere von 300.

Gegen Ende des Gefechts, als die Munition anfing knapp zu werden, entstand eine allgemeine Panik, und der Rückzug geschah in vollständiger Unordnung, in kleinen Gruppen vollständig aufgelöst in der Richtung auf Donguena-Humbe. Roçadas hat die größten Anstrengungen gemacht, um die Geschütze zu retten, und nur ein Maschinengewehr, das durch einen Granatschuß zerstört war, ist zurückgelassen worden. Vor dem Abmarsch nach Donguena, mit den Resten seiner Truppe, gab Roçadas den Befehl, alle Forts zu verlassen und somit das ganze Cuamatagebiet, in dem er eine Verfolgung seitens der Deutschen befürchtete, die ihm den Rückzug hätten abschneiden können. Glücklicherweise, und wir können nicht verstehen weshalb, hat diese Verfolgung nicht stattgefunden. Alle Offiziere sprechen übereinstimmend die Ansicht aus, daß, wenn die Deutschen die Verfolgung aufgenommen hätten, kein Mann davongekommen wäre.

Wollten die Deutschen vielleicht nur das Fort Naulila zerstören, um den Zwischenfall vom 18. Oktober zu rächen? Oder wollten sie sich sammeln und neuordnen, ehe sie den Vormarsch begannen? Binnen kurzem wird es sich zeigen. Im Verlauf des Rückzuges kamen die Soldaten am 19. Dezember um 11 oder 12 Uhr halb verhungert und verdurstet in Humbe an. Um schneller wegzulaufen, hatten die Soldaten die Waffen weggeworfen. Roçadas hatte den Befehl gegeben, die Munition vom Fort Roçadas, das Humbe gegenüber an der anderen Seite des Flusses liegt, vor dem Verlassen zu vernichten. Gegen 2 Uhr hörte man eine furchtbare Explosion, die von weitern Explosionen Tausender von Patronen gefolgt war.

Es läßt sich denken, welchen Eindruck dies auf die Soldaten und die Zivilbevölkerung von Humbe gemacht hat! Sie waren nicht darauf vorbereitet und nahmen einen Angriff der deutschen auf das Fort Roçadas an. Es entstand eine fürchterliche Panik. Alle Welt flüchtete nach Tuipelongo, ohne daran zu denken, Lebensmittel für die Reise mitzunehmen. Roçadas gab zunächst Cahame, dann das Land der Gambos als Versammlungsort an. Er befindet sich heute in Chibemba (Gebiet der Gambos) mit einem Stabe. Die Truppen sind in der Umgegend, Tiepepe und Forne de Cal, verteilt, den einzigen Orten, wo etwas Wasser vorhanden ist.

Die Marinetruppen, etwa 500, sind soeben nach dem Gambogebiet aufgebrochen. Ebenso sind 3 000 Mann in Mossamedes abgekommen. Sollten diese genügen, um die Offensive zu ergreifen? Es wird gesagt, das nichts zu machen sei. Der Nachschub der Lebensmittel und der Munition sei unmöglich. Zwischen dem Gebiet des Gambos und dem Kunene gibt es keinen Grashalm und keinen Tropfen Wasser. Fünf oder sechs Tage nach Ankunft im Gebiet der Gambos hat Roçadas einen Zug Kavallerie nach Humbe geschickt, um Nachrichten einzusammeln und dort zu bleiben, um, falls möglich, das Land wiederzuerobern. Dieser Zug soll sich in Humbe befinden und die Deutschen in Naulila. Ihre Stellung in Humbe muß gefährlich sein. Das Fort Roçadas ist mit allem, was darin war, Lebensmitteln und Munition, vollständig zerstört. Und es war viel dort. Es war das Hauptdepot. Auch an den andern Posten waren Waffen und Munition, besonders in Humbe.

In den Posten im Cuamatagebiet waren etwa 20 Kontos (60 000 M.) Massango, Ergebnis der Hüttensteuer der letzten Jahre. Dies alles ist von den Truppen, ohne zerstört zu werden, im Stich gelassen worden. Es war keine Zeit dazu. Alles floh so schnell wie möglich, denn Roçadas erwartete immer, den Rückzug abgeschnitten zu sehen. In Humbe und im Cuamatagebiet waren einige Handelshäuser. Alle Kaufleute sind geflohen unter Zurücklassung ihrer Waren. Viele haben selbst ihr Geld zurückgelassen. Im Regierungsgebäude in Humbe sind alle Urkunden und alles Geld geblieben. Alles dieses, wirklich alles, ist von den Eingeborenen geplündert, zerstört und geraubt worden, im Cuamatagebiet von den Cuamatas, in Humbe von den Muhumbes, in Donguena von den Donguenas.

Sobald die Truppen den Rückzug angetreten hatten, haben diese Völkerstämme revoltiert und sich der zügellosesten Plünderung ergeben. Alle von ihnen angetroffenen Wagen wurden geplündert und die Ochsen geraubt. Sehr ernst ist die Tatsache, das im Cuamatagebiet die Eingeborenen die Truppen, zum größten Teil eingeborene Soldaten, während des Marsches wirksam beschossen haben. Es waren 1 500 Cuamatas als Hilfstruppen mit Martinigewehren bewaffnet worden. Es erübrigt sich, zu erwähnen, daß während des Gefechts niemand sie gesehen hat. ;Mit den Waffen und der Munition, die sie in den Forts gefunden haben, sind sie auf lange Zeit gut ausgerüstet. Es fehlen Nachrichten von den Posten in Evale, Casuma, Casile. Ob wohl die Cuanhamas, die nirgend aufgetreten sind, sich dieser Posten bemächtigt haben?"

Naulila befindet sich in deutschem Besitz. Der portugiesische Kolonialminister gab diese Tatsache in der Kammer zu Lissabon den Abgeordneten selbst zur Kenntnis. Am 25. Februar wurde bekannt, daß der Kriegszustand in der Kolonie Angola aufgehoben sei.

Wir wissen übrigens, daß Portugals Truppensendungen nach Angola mit großen Schwierigkeiten verbunden waren, da die Stimmung im Lande gegen einen Krieg an der Seite Englands überhaupt stark in Erscheinung trat.

Oberstleutnant von Heydebreck (Joachim), der Kommandeur der Schutztruppe von Deutschsüdwestafrika, ist am 12. November 1914 an den Folgen einer Verwundung, die er auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz erhalten hatte, gestorben. Unter der Führung Heydebrecks hatten unsere Schutztruppler am 25. September 1914 in dem Gefecht bei Sandfontein drei englische Schwadronen besiegt und zahlreiche Gefangene gemacht, darunter auch den Führer Oberst Grant. Oberstleutnant v. Heydebreck, der zu unseren ältesten Schutztruppenoffiziere gehörte, trat 1896 in die Schutztruppe für Südwestafrika ein. Er zeichnete sich besonders bei den Aufständen der Hereros und Hottentotten als Führer der 1. Feldartillerie Abteilung aus.

Major Franke (Viktor) wurde unter Beförderung zum Oberstleutnant der Nachfolger Heydebrecks. Franke kam als Oberleutnant 1896 nach Südwestafrika und zeichnete sich 1904 in den ruhmvollen Kämpfen bei Windhuk, Okahandja, Omaruru und am Waterberg aus.

Portugal’s Army at War 1914-1918.

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