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Kriegsrundschau
Bericht in 2 Teilen
Teil 1 in Rot
Teil 2 in Grün

Der Raubzug gegen unsere Kolonien

aus Kriegsrundschau, 1915, Verlag der Täglichen Rundschau, Berlin

Fortsetzung und Ergänzung der wiedergegebenen amtlichen Zusammenstellung
von Nachrichten aus den deutschen Schutzgebieten.

Englands Bestreben ging von Anfang an dahin, unseren Handel lahmzulegen und uns in der Ferne der Stützpunkte zu berauben, die für die Bewegung deutscher Kriegsschiffe von Vorteil sein mußten. Der Raubkrieg gegen unsere Kolonien begann. Das Kolonialamt hat die kriegerischen Ereignisse während der ersten drei Monate zusammengestellt. Wir geben aus diesem amtlichen, Mitte November den Zeitungen zugestellten Bericht die wesentlichen Abschnitte wieder.

Togo
Kamerun
Deutschsüdwestafrika
Deutschostafrika
Samoa
Deutschneuguinea
Die Südseeinseln
Kiautschou

Togo

Von allen deutschafrikanischen Schutzgebieten bot Togo im Kriegsfall für die Verteidigung die ungünstigsten Bedingungen. Um so höher ist es zu veranschlagen, daß der stellvertretender Gouverneur Geh. reg. Rat, Major. a.D. Doering unter Aufgebot fast aller verfügbaren wehrfähigen Deutschen mit dieser und mit der Polizeitruppe bis zum Äußersten Widerstand geleistet hat. Vor allem galt es hier, die im Innern des Landes bei Kamina (Bezirk Sokode) errichtete Großfunkenstation, mittels derer die alltägliche Verständigung nicht nur mit Togo, sondern auch den übrigen Schutzgebieten in Afrika aufrechterhalten wurde, solange als irgend möglich zu erhalten. Demgemäß verlegte Doering, nachdem alsbald nach Beginn des Kriegszustandes die mit dem Gouverneur der Goldküstenkolonie eingeleiteten Verhandlungen wegen Neutralitätserklärung des Togogebietes britischerseits abgelehnt worden waren, am 8. August alle nur erreichbaren Streitkräfte der der Polizeitruppe — im ganzen 400 Mann, meist Reservisten und Rekruten — nach Kamina und leitete von dort aus die erforderlichen kriegerischen Maßnahmen.

Bei dem Rückzuge nach Kamina ließ Doering den kleinen Funkenturm bei Togblekove und die Eisenbahnbrücke über den Siofluß sowie noch andere Brücken der Eisenbahnen nach Atakpame und Palime zerstören. Gleichzeitig besetzten die Engländer Lome, erklärten für die Stadt das Kriegsrecht und alles bis 120 Km. landeinwärts sich erstreckende Land für englischen Besitz. Dabei wurde die feierliche Zusage gegeben, die Ordnung zu wahren und das Eigentum zu schützen. Wenige Tage später überschritten die Franzosen, die bereits am 8. August Anecho besetzt hatten, den deutschfranzösischen Grenzfluß Mono in der Nähe von Tokpki und besetzten die Landschaft Sagada. Nach dem letzten telegraphischen Bericht des Majors v. Doering vom 24 August hielt der Hauptmann Mans am Chra die deutsche Stellung gegen große Übermacht und zahlreiche Geschütze viele Stunden mit großer Tapferkeit. Auf die Dauer war das indessen begreiflicherweise unmöglich, und so vollzog sich das unvermeidliche bedauerliche Geschick der tapferen Verteidigung Togos von nun an in schnellem Gange. Schon am 27. August wurde in London amtlich bekanntgegeben, daß die Deutschen Togos sich bedingungslos den vereinigten feindlichen Truppen ergeben hätten.

Togo ist heute aufgeteilt ungefähr wie folgt:

Englisch ist die Küste bis Portoseguro am Togosee entlang bis zur Mündung des Haho, der Lomelandbezirk, der Misahöhebezirk vom Atakpamebezirk, was westlich der Bahn liegt. Französisch sind der Anechobezirk, der Atakpamebezirk östlich der Bahn, Atakpame selbst und der Sokodebezirk.

Fortsetzung

Wie schon in der ersten Veröffentlichung des Reichskolonialamts mitgeteilt wurde, haben sich die Engländer und Franzosen einstweilen in unsere Kolonie Togo geteilt. Über weitere Gefechte ist nichts Sicheres bekanntgeworden. Ein Privatbericht sagte: "Überall da, wo die Franzosen hingekommen sind, wurde schauderhaft geplündert, während die Engländer meistens gute Zucht gehalten haben. Alle Pflanzungen, die östlich der Atakpamebahn liegen, sollen ausgeraubt sein."

Nach einer Notiz in der "Westminster Gazette" vom 7. November 1914 ermunterte das englische Handelsamt die britischen Kaufleute, ihren Handel auf Togo auszudehnen.

Mitte Februar wurde in der "Tägl. Rundschau" ein Bericht abgedruckt, für den Briefe von Missionaren und deren Leidensgefährten in den Kolonien die Unterlage abgaben. Da hieß es: "Frankreich läßt noch heute eine große Anzahl — soweit bekannt, etwa zweihundert — Deutsche aus Kamerun und Togo on seiner Kolonie Dahomey unter schimpflichter und gesundheitswidrigster Behandlung als Kriegsgefangene schmachten. Schon bei Abführung der gefangenen Deutschen von Kamina im Innern Togos nach der Küste hatten sich unerhörte Vorfälle abgespielt. So mußten die Gefangenen ihr Gepäck selbst tragen oder es sogar auf einem großen Lastwagen ziehen, begleitet von schwarzen Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr und von diesen mit Gewehrkolben angetrieben. Mit geringen Ausnahmen (in dem von den Engländern besetzten Teil Togos) wurden sämtliche Deutsche aus Togo, darunter auch Frauen und Kinder, als Kriegsgefangene nach Cotonou (Dahomey) gebracht.

Aus Dahomey waren übrigens schon vorher — zu Beginn des Krieges — alle Deutschen in denkbar rücksichtslosester Form ausgewiesen worden. Auch die Deutschen von Kamerun wurden, soweit sie nicht in die Konzentrationslager nach England gebracht worden sind, nach Dahomey in französische Gefangenschaft weggeführt. Über die Aufnahme und Lage unserer dort weilenden Landsleute sind im Laufe der letzten Monate zahlreiche Nachrichten unabhängig voneinander in die Heimat gelangt. In allen wesentlichen Punkten stimmen diese Mitteilungen derart überein, das leider an ihrer Richtigkeit kaum ein Zweifel besteht. Hiernach sind die Männer auf verschiedene Verwaltungsstationen der Kolonie, zum Teil ins Hinterland gebracht worden. Einzelne von ihnen wurde in Savé, am Ende der Bahn Cotonou — Savé, untergebracht, andere in Gaya am Niger, etwa 750 Km. von der Küste entfernt.

Diese sollen sogar gezwungen worden sein, den 400 Km. weiten, wasserlosen Weg von Savé nach Gaya zu Fuß zurückzulegen. Teilweise sollen die Gefangenen in selbstgefertigten Grashütten wohnen. Portonovo an der Küste dürfen die Gefangenen, auch die dort untergebrachten Frauen, nur unter Bedeckung von schwarzen Soldaten auf die Straße gegen, trotzdem alle ihr Ehrenwort abgegeben haben. Den Tag über müssen die Gefangenen sieben Stunden lang in der heißen Tropensonne bei sehr kläglicher Kost schwere körperliche Arbeit verrichten. Im besonderen sollen sie unter Aufsicht schwarzer Soldaten zum Wegebau Verwendung finden und hierbei auch unter Mißhandlung ihrer Wächter zu leiden haben. Mancherorts wird ihnen als Nachtlager nur eine dünne Strohmatte gewährt. Dazu mangelt es den Gefangenen an der nötigen Kleidung und Wäsche. Auch der für den Europäer unbedingt erforderliche Schutz des Kopfes durch Tropenhelme fehlt."

Das Bild dieser unerhörten Zustände weiß ein deutscher evangelischer Geistlicher, der aus Westafrika nach England übergeführt und von dort entlassen worden ist, unter seinem Eid durch Einzelheiten zu ergänzen, die ihm in dem Gefangenenlager von Queensferry von drei anderen Deutschen übereinstimmend mitgeteilt worden waren. Danach wurden die deutschen Kriegsgefangenen in kleine Trupps aufgeteilt und den Ortsbehörden zur Arbeit überwiesen. Sie arbeiteten in Pflanzungen und bei Wegebauten. Teilweise hatten sie nichts anzuziehen als Lendentuch und Sandalen. Krankheit galt nicht als Entschuldigung für Wegbleiben von der Arbeit, solange ein Mann noch gehen konnte. Brutalität kamen häufig genug vor.

Angesichts dieser Zustände kann es nicht wundernehmen, daß viele unserer Landsleute in Dahomey erkrankt und einige von ihnen bereits gestorben sind. Denn dieses Land ist bekanntermaßen eines der ungesundesten Gebiete von Äquatorialafrika überhaupt.

*

Der Staatssekretär des Reichskolonialamts, Dr. Solf, äußerte sich Anfang Februar dem Berliner Vertreter der Turiner "Stampa" gegenüber mit folgenden Worten über die Kriegslage in den deutschen Schutzgebieten: "Die Lage ist für Deutschland günstig. Das an sich hohe Maß an Leistungen, das Deutschland von seinen Söhnen erwartet, ist durch die Ruhmestat unserer Armeen überboten. Ebenso hervorragend sind die Leistungen unserer Landsleute in den Kolonien. Sie haben sich heldenmütig gewehrt und geschlagen. Daß wir das kleine, isolierte, jeder militärischen Macht bare Schutzgebiet Togo und unsere weitverstreuten, militärisch ebenfalls ungeschützten Inseln in der Südsee zunächst nicht würden halten können, war von vornherein klar. Unsere größeren Kolonien aber, Ostafrika, Südwestafrika und Kamerun, sind zur Verteidigung bis aufs äußerste entschlossen. Mit beispielloser Tapferkeit kämpfen Schutztruppe und Polizeitruppe, kämpfen die Ansiedler als Kriegsfreiwillige bis auf den letzten Mann, kämpfen auch Tausende von Eingeborenen, die sich mit unserer Verwaltung eng verwachsen fühlen, gegen einen weit überlegenen Feind. Hier denkt keiner an Ergebung

Tüchtige Schlappen haben die vereinigten Franzosen und Engländer in Kamerun, empfindliche Niederlagen die Engländer in Südwest- und Ostafrika erlitten. Ich erinnere an das Gefecht von Sandfontein, wo unsre kleine Truppe drei englische Schwadronen vernichtet, den feindlichen Führer mit mehreren hundert Mann gefangen und eine Anzahl von Geschützen erbeutet hat. Ich erinnere an die Schlacht bei Tanga, wo auf deutscher Seite kaum 2000 Mann kämpften und dabei von den an Zahl vierfach überlegenen Engländer 3000 Tote und Verwundete auf dem Platze blieben. Ein Waffenerfolg, der — am Verhältnis der sich gegenüberstehenden Kräfte gemessen — nicht leicht seinesgleichen findet. All das gibt uns das Recht, mit ruhiger Zuversicht den weiteren Ereignissen entgegenzusehen.

Geradezu empörend für jemand, der, wie ich, Zeit seines Lebens bestrebt war, ohne Engherzigkeit Wesen und Eigenart anderer Völker zu studieren und zu achten, was und wo immer er Gutes und Nachahmenswertes fand, der auf vielen Reisen durch die Welt und während einer jahrzehntelangen amtlichen Tätigkeit in fernen Zonen manchen persönlichen Freund unter unseren jetzigen Feinden gewonnen hatte — empörend und tieftraurig ist die Erfahrung, in welcher würdelosen, zum Teil niederträchtigen Weise der Kolonialkrieg von unseren verbündeten Feinden geführt wird. Deutsches Privateigentum wird nicht geachtet, die weiße Zivilbevölkerung in den Kolonien, Männer, Frauen und Kinder werden als Kriegsgefangene weggeschleppt, unter dem Hohnlachen einer aufgehetzten schwarzen Bevölkerung schimpflich behandelt und schließlich in Gegenden gefangengehalten, die klimatisch für die Gesundheit dieser armen Opfer furchtbare Gefahren bergen. Der Tag wird kommen, an dem wir auch über diese Dinge von den schuldigen Rechenschaft fordern werden, von den schuldigen, die uns Deutsche als "Hunnen und Barbaren" beschimpfen und dabei in Afrika ein System der Kriegsführung eingeführt haben, das eine Schmach ist für jeden Menschen mit weißer Hautfarbe."

Der Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft, Johann Albrecht Herzog zu Mecklenburg, erließ einen Protest gegen Englands und Frankreichs Kriegführung in den afrikanischen Kolonien, der in folgenden gerechten Anklagen gipfelt: "Die Deutsche Kolonialgesellschaft erhebt von der gesamten Kulturwelt Protest gegen das unmenschliche, das ganze europäische Kulturwerk in Afrika zerstörende, dem Völkerrecht und bestimmten internationalen Verträgen hohnsprechende Vorgehen der Engländer und Franzosen in den deutschen Kolonien. Die Ausdehnung des Krieges auf die gegen einen europäischen Angriff nicht geschützten deutschen Kolonien Afrikas trägt ausgesprochen den Charakter eines Raubzuges.

Ein derartiges Vorgehen war in keiner Weise durch das Kriegsinteresse geboten und ist weder rechtlich noch sittlich zu rechtfertigen. Die Wirkung davon, das jetzt vor den Augen der Eingeborenen Weiße gegen Weiße und unter ihnen Schwarze gegen Weiße kämpfen müssen, wird in Zukunft dem Kolonisationswerk jedes europäischen Volkes in Afrika verhängnisvoll werden. In voller Würdigung solcher Gefahr hat die Kongoakte durch den Artikel 11 den Garantiemächten, also auch England und Frankreich, die Verpflichtung auferlegt, darauf Verzicht zu leisten, ihre Feindseligkeiten auf die durch die Alte neutralisierten Gebiete zu erstrecken oder dieselben als Basis für kriegerische Operationen zu benutzen.

Die Kongoakte beginnt mit den Worten: "Im Namen des Allmächtigen Gottes." Gegen alles Völkerrecht haben die Engländer unverteidigte Küstenplätze, wie Kribi, Swakopmund und Daressalam beschossen und allenthalben gegen deutsche Missionare und deren Angehörige Roheiten empörendster Art verübt. Geradezu als ein Verbrechen gegen das sittliche Empfinden unseres Zeitalters muß es bezeichnet werden, daß die Engländer seit Beginn des Krieges bis zur Stunde jeden Nachrichtenverkehr zwischen der Bevölkerung der afrikanischen Kolonien und ihren Angehörigen in der Heimat gewaltsam verhindern."

 

Dahomey siehe Benin
Könige von Dahomey -Benin

Namen von Orten in Benin (die beiden Anfangsbuchstaben eingeben, dann erscheint eine Karte und der Ort.)


 

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