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In allen Zonen
kommt es vor, daß Völker, die in einer niederen Kulturstufe
leben, sich fast nur von einer einzigen Tier- oder Pflanzenart ernähren.
Der Lappe hat sein Renntier, der Eskimo die Robben, der Sandwichinsulaner
seinen "Tarro", wie er die knolligen Wurzeln eines Aronsgewächses
nennt. Die fast einen Meter langen und einen halben Zentner schweren Yamswurzeln
aber sind die hauptsächlichste Nahrung der Eingeborenen der Südsee,
indes die süßen Knollen der Batate, einer Windenart, zusammen
mit dem Mais, oft nur das einzige Gericht der Negersklaven gewesen ist.
Die Kokospalme
liefert unzählige Menschen alles, was sie zum Leben brauchen, und
ebenso wertvoll ist auch die Sagopalme, deren stärkereiches Mark
die tägliche Nahrung der Malaien ist. Die wichtigste der sieben Arten
ist die echte Sagopalme, die nur acht bis zwölf Meter hoch wird,
indes die Palmen zu den höchsten aller Pflanzen zählen. Die
Sagopalme ist zwar nicht schlank, denn ihr Stamm erreicht etwa einen Umfang
von drei Metern. Sie hat ein merkwürdiges Wachstum, denn in der Jugend
ist sie nur ein Strauch mit buschigen, dornenreichen Blättern, die
den am Boden hinkriechenden kurzen Stamm verdecken.
Im späteren
Lebensalter erst steigt dieser senkrecht auf und treibt bis zu acht Meter
lange Wedel. Würde man eines dieser riesigen Fliederblätter
an unsere Großstadthäuser lehnen, so könnte man auf dieser
Leiter bis zu den Fenstern des zweiten Stockwerkes emporklettern. Der
Grund für diese unverhältnismäßig starke Blattentwicklung
ist im Standort dieser Palme zu suchen, die nur auf sumpfigem Boden recht
gedeiht. Die Größe der Blattflächen steht mit dem Feuchtigkeitsgrade
der Luft im innigsten Zusammenhang. Wo diese mit Wasserdämpfen gesättigt
ist, fällt es der Pflanze schwer, ihre so lebenswichtige Ausdünstung
und damit auch den Wasserumlauf aufrecht zu erhalten. Sie hilft sich durch
Riesenwedel, die durch die größeren Flächen leichter ausscheiden.
Das eigenartigste
aber ist der Blütenstand der Sagopalme, der sich in ihrem ganzen
Leben nur einmal zwischen dem zehnten und fünfzehnten Jahre bildet.
Aus einer meterlangen Scheide schießt dann ein ungeheurer Kolben
mit vielen keulenförmigen Zweigen auf, die an den Gabelungstellen
gleichfalls tütenförmige Blattgebilde tragen. Gleich einem Armleuchter
erhebt sich diese gelbe Blütenrispe über die Mutterpflanze,
bedeckt mit zahllosen männlichen und weiblichen, doch auch zwittrigen
Einzelblüten, jede von einem rosafarbenen Deckblatt umgeben. Fabelhaft
ist die Menge der pflaumengroßen runden Früchte. Das von bräunlichgelben
Panzerschuppen umhüllte Fleisch ist trocken und birgt nur einen abgeplatteten,
kugeligen Samen. Nach solcher Höchstleistung ist aber die Lebenskraft
der Pflanze erschöpft, und wenn die Palme auch noch weiter vegetiert,
stirbt sie doch bestenfalls mit 25 Jahren ab.
Ihr botanischer
Name "Metroxylon Rumphii" (metra=Mark, Xylon = Holz) leitet
sich her von dem im Jahre 1627 zu Hanau geborenen Rumphius, der als Statthalter
von Niederländischindien diese Palme zuerst beschrieb. Sie bildet,
besonders auf den Molukken und in Neuguinea, der zweitgrößten
Insel der erde, in den Flußniederungen stellenweise ganze Wälder
eine für Palmen nicht häufige Erscheinung.
Im Westen
aber, auf Borneo, Sumatra und Java, überwiegt eine nahe verwandte
Art, die glatte, unbewehrte Sagopalme. Wie schon der Name sagt, unterscheidet
sie sich besonders dadurch von der echten Sagopalme, daß die den
Stamm umgebenden Blattscheiden und ebenso die Stiele keine Stacheln haben.
Dadurch ist sie in ihrer Jugend, solange der Schaft noch nicht erhärtet,
den Angriffen der Wildschweine und anderen Feinde schutzlos preisgegeben.
Das aber läßt vermuten, daß sie vielleicht nur eine Kulturform
unserer echten Sagopalme ist, die jedoch bessere und auch reichere Erträge
liefern. Gleichwohl stammt der meiste, in den Welthandel kommende Sago
ein Wort, das Mehl bedeutet von dieser unbewehrten Sagopalme.
In ihrer Vollkraft
kann eine dieser beiden Palmen bis zu acht Zentnern rohen Stärkemehl
liefern, doch wird sie wertlos, wenn die Früchte reifen, weil diese
alle Reservestoffe an sich ziehen, so daß die Palme hohl wird. Die
Eingeborenen fällen sie deshalb vor der Blütezeit, nachdem sie
die Stämme angebohrt haben und sich durch Proben überzeugten,
daß sich die Mühe lohnt. Wie eines unserer Bilder veranschaulicht,
wird nur der untere Teil verwendet, der an der dicksten Stelle einen Durchmesser
von eineinhalb Meter erreichen kann. Die üppige Krone aber wird meist
fortgeworfen, sofern die Blätter nicht zum Dachdecken verwendet werden,
wofür sie sich vorzüglich eignen. Die unbewehrte Art vor allem
wird deshalb auch in Java nur zu diesem Zwecke längst der Kanäle
angepflanzt, bis zum Bewässern der Reisfelder dienen.
Die Sagoernte
ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden. Wann und wo es gerade dem
Eingeborenen paßt, fällt er die Bäume, denn einige Jahre
vor der Blüte schon speichert die Palme ihre Reservestoffe auf, die
dem Bedarf der anspruchslosen Malaien vollauf genügen.
Um die geschlagenen
Stämme leichter fortschaffen zu können, werden sie an Ort und
Stelle in zwei, höchstens drei Meter lange Stücke zerlegt. Eines
unserer Bilder zeigt, wie diese, eine Walze gleich, von Eingeborenen vor
sich hergeschoben werden. Später zerlegt man sie in kleinere Blöcke,
die sich leicht spalten lassen, da nur eine fünf Zentimeter dicke
Rindenschicht das Mark umgibt. Es wird in großen Stücken losgebrochen,
zerkleinert und in einem Trog zum groben Mehl zerstampft, das aber voller
holziger Teile ist, weil viele Längsfasern das Mark durchsetzen.
m diese zu entfernen, verrührt man das Mehl zu einem dünnen
Brei, der durch ein Sieb in einen anderen Trog gerieben wird. Dort läßt
man der Stärke Zeit, sich abzusetzen, schöpft dann das Wasser
ab und schaufelt den erst von den gröbsten Unreinigkeiten befreitem
Sago in das erste Gefäß zurück. Dieses Verfahren wird
drei- bis viermal wiederholt.
Damit ist
das Sagomehl, nachdem es noch getrocknet ist, für den Gebrauch der
Eingeborenen fertig, die es als Brei verzehren oder zu dünnen fladenförmigen
Brot verbacken, das sie zum Fisch oder zum Fleisch genießen.
Für den
Handel aber ist es in dieser Form nicht zu gebrauchen, weil es sich höchstens
einen Monat hindurch hält. Für die Ausfuhr bedarf es noch besondere
Behandlung, die ganz in den Händen der Eingeborenen und zugewanderten
Chinesen liegt. Die Arbeit wird in größerem Maßstab betrieben,
denn in den Eingeborenenfabriken arbeiten dreißig bis vierzig Mann,
allerdings in überaus primitiver Art und Weise. Die meisten dieser
Faktoreien liegen in wenig erforschten Sagogebieten, die von Europäern
selten aufgesucht werden. Ist doch das Eindringen in solche Wildnis nicht
nur beschwerlich, sondern auch, vor allem des Klimas wegen, gefahrvoll
für den Weißen.
Der Weltreisende
Franz Otto Koch, dem wir unsere Aufnahmen verdanken, bot von diesen eigenartigen
Verhältnissen eine interessante Schilderung. Von der Nordwestküste
Borneos aus reiste er mit fünf malaiischen Begleitern. An den ersten
Marschtagen wurden je dreißig Kilometer auf ausgetretenen Pfaden
im Gänsemarsch zurückgelegt. Am sechsten tage kam man an breite
Sümpfe, die nicht umgangen werden konnten, denn rechts und links
verhinderte des dicht mit Schlingpflanzen verwachsene Urwald jedes Ausweichen.
Da hieß es denn "mitten durch". Unzählige
Male mußten höchst ungesunde Sümpfe durchwatet werden,
beständig auf der Hut vor langschnäuzigen Krokodilen, den Gavialen.
Dabei herrschte in dem wassertriefenden Dickicht solch eine Schwüle,
daß schon nach einem Marsch von fünfzehn Kilometer die Kräfte
versagen, und jeder froh war, in einem Eingeborenendorfübernachten
zu können.
Sämtliche
Häuser, die man fand, waren über dem Sumpf errichtet, das reinste
Dorado für Moskitos. Kein Wunder, wenn da ein Europäer am nächsten
Morgen mit völlig steifen Gliedern erwachte.
Weiter ging
die Reise, und zwar in kleinen Booten nach Art der Einbäume, um die
schmalen, doch meist tiefen Urwaldflüsse zu befahren. Die schwanken
Kanus, nur für den Ruderer und einem Mann bestimmt, lagen so tief
im Wasser, daß eine kaum handbreite Bordwand noch darüberragte
und die größte Aufmerksamkeit nötig war, das Gleichgewicht
zu halten. So ging die Fahrt, vorbei an unzähligen Affenherden, die
sich, oft hundert Stück auf einem Baum, vergnüglich mit den
Jungen an den Ästen schaukelten. Die Alten turnten meist eifrig hin
und her, das eine kleine Affenkind im Arm, während das andere sich
an den Schwanz der Mutter klammerte. Schier unbegreiflich, daß sie
mit solcher Last noch meterweite Sprünge riskieren konnten.
Am Ufer aber
saßen in greifbarer Nähe hie und da Orang Utane, fletschten
mit den Zähnen und drohten in das Boot zu springen. Die Eingeborenen
hatten eine unbändige Angst vor diesen Riesenaffen und wurden so
nervös, daß die Boote mit den wertvollen Apparaten oft umzuschlagen
drohten. An Schießen war hier nicht zu denken, denn dann wären
die gereizten Tiere wohl entschlossen zum Angriff vorgegangen und keine
Rettung mehr gewesen, zumal nur einer von den Ruderern bewaffnet war.
Als dann der
Fluß sich weitete, war man zwar dieser Gefahr entrückt, doch
nur um vom Regen in die Traufe zu kommen. Das Wasser wimmelte von Krokodilen,
die zwar feige waren, aber auf der Flucht unter den Booten durchschwammen,
und auch eines zum Kentern brachten. Das ging zwar noch leidlich gut ab,
doch waren die beiden Eingeborenen nur durch die größten Versprechungen
zur Weiterfahrt zu bewegen. Unter solchen Fährlichkeiten wurden am
zwölften Tage die "Fabriken" erreicht.
Lange vorher
herrschte reges Leben an den Ufern, denn die Arbeiter waren mit dem Fällen
der Palmen beschäftigt. Im Flusse lagen viele kleine Flöße
aus zusammengebundenen Sagostämmen, die, je nach Bedarf, ein bis
zwei Jahre im Wasser bleiben, um für die spätere Aufbereitung
das Sagomark zu lockern. Haben sie lange genug gelagert, so werden sie
in die Fabrik gebracht, in kleinere Blöcke zerlegt, entrindet und
mit der Sagoraspel, einem dicht mit Nägeln beschlagenen Brett, völlig
zerschrotet. Das grobfaserige Mehl kommt dann auf eine Plattform, wo es
auf eine Kokosmatte ausgeschüttet wird. Wie auf einem der Bilder
zu sehen ist, hat man diese Rampen dicht am Flusse, ja sogar im Wasser
errichtet, um durch primitive Schöpfanlagen, die mit ihren langen
Hebelarmen an unsere alten Ziehbrunnen erinnern, das für die Reinigung
des Sagomehles nötige Wasser gleich bei der Hand zu haben.
Während
das Rohprodukt nun fortwähren mit Wasser übergossen wird, kneten
es die Eingeborenen stundenlang mit den Füßen, die sie taktmäßig
heben und senken, um auf diese Weise möglichst rasches Abschwemmen
der holzigen Teile zu bewirken. Es ist ein Tanz im wahren Sinne des Wortes,
dem auch der Musikant nicht fehlt mit seinen anfeuernden Weisen. Während
dieser Tretarbeit fließt der dünne Sagobrei in einen Trog.
Was auf dem Mattensieb zurückbleibt, ist eine holzigmehlige Masse,
die in langen, mit Brettern verschalten Gräben oder in Trögen,
um die Stärke ausfallen zu lassen, geschlämmt wird. Das so erhaltene
Mehl wird auf Matten in der Sonne getrocknet und gebleicht, um dann, in
Baststücke verpackt, in die "Raffinerie", die Läuterungsabteilung,
zu wandern. Bei so roher Arbeitsweise geht selbstverständlich viel
verloren, denn nur sieben Zentner Sagomehl werden im günstigsten
Falle aus sechzehn Zentnern Palmenmark gewonnen.
Bilder Serie
Wenn zudem
der Ertrag der einzelnen Stämme zwischen vier bis acht Zentnern schwankt,
so ist es begreiflich, daß von vollwertiger Ausbeutung keine Rede
sein kann. Doch in verschwenderischer Fülle wachsen ringsum die Sagopalmen,
und wo ein Stamm geschlagen wird, sind so viele Wurzelschößlinge
vorhanden, daß eine Neuanpflanzung nie nötig wird. Die Eingeborenen
lassen jeweils nur den stärksten Sproß zur Nachzucht stehen.
Auch bei der
weiteren Bearbeitung des Palmenmehles zu Perlsago wird noch viel vergeudet,
denn die Chinesen, in deren Händen diese liegt, betreiben sie in
urgroßväterlicher Weise. Ihre Anstalten liegen hauptsächlich
an den größeren Hafenplätzen des Malaien Archipels. So
gibt es mehrere in Britisch Sarawak im Nordwesten Borneos, und zwar in
Kutsching, Brunei und Labuan, die täglich bis zu hundert Zentnern
Perlsago bereiten. Der Mittelpunkt der ganzen Sagoindustrie ist aber Singapur
dicht vor der Spitze von Malakka, das allein für den Sagohandel mit
Europa wichtig ist. Die Zufuhr nach genannter Hafenstadt erfolgt hauptsächlich
von März bis zum Oktober, weil da der Nordostmonsum nicht mehr weht,
so daß die kleinen Fluß- und Küstenfahrzeuge ohne besondere
Gefahr verkehren können. Eines unserer Bilder gibt einen Blick in
eine solche Raffinieranlage mit ihren Bütten und Trögen. Die
Arbeitsweise darin ist kurz folgende: Die Sagosäcke werden im Hof
ausgeleert und die durch den Versand entstandenen Brocken klein gehackt,
das Ganze dann zu einem dünnen Brei verrührt und durch ein dünnes
Tuch getrieben. Hat sich das Sagomehl im Bottich abgesetzt, so erfolgt
die Schlußreinigung, wozu zwei Bütten dienen, die durch vier
Meter lange schräge Laufrinnen verbunden sind.
Das offene
Ende eines solchen Troges wird mit einem Filtertuch verschlossen und mit
dünnen Sagobrei gefüllt, der langsam durch den schmalen Spalt
eines in der Rinne befindlichen Querbrettes dem Aufnahmegefäß
zufließt. Dabei schlägt sich fast alle Stärke im Trog
nieder, so daß nur das mit winzigen Faserteilchen verunreinigte
Wasser in den Bottich gelangt. Hat sich die Laufrinne mit Sagomehl gefüllt,
so läßt man sie zwölf Stunden stehen, damit die Masse
fest wird. Die durchgeseihte Brühe aber wird immer wieder mit neuem
Sagomehl verrührt, um, bis zu fünfmal durch den Trog zu laufen.
Zum Schluß bricht man den Sago los und trocknet ihn auf Tischen
in der Sonne, bis er krümelt. Dann zerkleinert man ihn und siebt
ihn durch, worauf er in ein rauhes Tuch geschüttet wird, das mit
vier Zipfeln an einem wagrechten Balken hängt. Das halbgefüllte
Tuch wird nun gerüttelt und geschüttelt, wodurch der Sago sich
in wenigen Minuten zu kleinen Kugeln ballt, ein Arbeit, die viel Sachkenntnis
erfordert, weil von der Art und Weise dieses Schüttelns die Korngröße
abhängt. Der so entstandene "Perlsago" wird in drei Sieben
von verschiedener Maschenweite gesichtet.
Was nicht
für brauchbar gilt, wird nun abermals geschüttelt. Dann werden
alle Sagokügelchen in eisernen Pfannen unter beständigem Umrühren
geröstet und nach Aussieben der zusammengebackenen Körner zu
einem dampfenden Haufen geschichtet, den man verkühlen läßt.
Durch dieses Verfahren ist der meiste Sago etwas durchsichtig und klebrig
geworden. Er muß daher noch einer zweiten Röstung unterworfen
werden, wodurch die Körner kleiner und vor allem härter werden.
Man unterscheidet
groß-, mittel- und feinkörnigen Perlsago, der mitunter nur
noch die Größe eines Mohnkorns hat. Vom Grad der Röstung
hängt auch die Farbe ab, ob weiß, grau oder gelblich, während
durch Zuckerzusatz beim erhitzen ein bräunlicher, durch Beimengung
von Bolus, einer feinen Tonerde, ein ziegelroter Sago entsteht. Nach der
Farbe des Sagos kann man auf seine Herkunft schließen. So stammt
die weiße "Sagoblume" meist von Java, der gelblichweiße
von den Malediven, der gelbliche von Sumatra, während den grauen
und bräunlichen, der in England und Frankreich öfter zu haben
ist, die Molukken, den ziegelroten aber Neuguinea liefern.
In seiner
Heimat wird der Sago bis zum Verkauf in offenen Zinkbehältern aufbewahrt
und dann in Kisten, seltener in Säcken verfrachtet. Den ersten Sago
brachte der weitgereiste Venezianer Marco Polo im Jahre 1295 in seine
Vaterstadt. In den Handel kam es jedoch erst im sechzehnten Jahrhundert
durch die Portugiesen.
Heute bildet
er einen wichtigen Ausfuhrartikel, dessen Bedeutung sich schon daraus
ergibt, daß hundert Millionen Zentner jährlich von Singapur
aus auf den Weltmarkt kommen.
Mehr als Dreiviertel
des nach Europa eingeführten Sago verbraucht England, doch weniger
als Nahrungsmittel, sondern mehr in seinen Webereien und Zuckerfabriken
statt der Kartoffelstärke.
Auf dem Festland
ist Italien der Hauptabnehmer, doch ging der größte Teil des
nach Europa ausgeführten Perlsago vor dem Weltkrieg nach Hamburg.
Im Jahre 1902 betrug die deutsche Sagoeinfuhr beispielsweise 68 520 Zentner
im Werte von 925 000 Mark. Wohl mag uns diese Summe gering erscheinen,
doch sank der Wert des Sago in dem Maße, als die Einfuhr sich hob.
Einige Zahlen mögen dies erläutern: Während ein Doppelzentner
Sago im Großhandel in den Jahren 1851 bis 1855 durchschnittlich
45 Mark 16 Pfennig kostete, sank dieser Preis schon binnen zwanzig Jahren
auf 36 Mark 22 Pfennig und 1891 gar auf 26 Mark 31 Pfennig, um in der
Folge noch weiter abzunehmen, so daß ein Pfund im Einkauf nur etwa
zehn Pfennig kostete. Trotzdem blieb die Sagoindustrie noch lohnend, weil
ja das Rohprodukt so gut wie nichts kostet und die Arbeitslöhne gering
sind.
Ein Sagoverzehrer
ist auch die Larve eines dunkelbraunen Rüsselkäfers, die oft
im Palmenmark lebt und großen Schaden fristet, wenn sie in Menge
auftritt. Da aber die fingerdicke, fette Larve gebraten als großer
Leckerbissen gilt, ist der Malaie getröstet.
Mehr oder
weniger guten Sago liefern übrigens noch eine ganze Anzahl anderer
Palmen, doch wird dieser an Ort und Stelle meist verbraucht. So wächst
in den Gebirgsgegenden Vorderindiens eine kaum einen Meter hohe, einem
dichten Busch gleichende Palme, die Phoenix farinefera, deren mehlreiches
Mark man zu Grütze kocht, wenn es an Reis fehlt. Geringwertigen Sago
liefert die auf Zeylon (Sri Lanka) und den Malediven heimischen Talipotpalme
oder Schattenbaum, weil unter einem ihrer Blätter zwölf Menschen
Schutz vor der Sonne finden, und ebenso die Gebangpalme von den Sundainseln.
Die Zuckerpalme Javas aber enthält drei- bis viermal weniger Stärkenmehl,
als die echte Sagopalme. Das Mark der Kittupalme kommt jedoch dem besten
Sago gleich und ist daher zur Zeit der Hungersnot für Indien überaus
wichtig. Sonst ist ist der Baum zu wertvoll, um Sago daraus zu gewinnen.
Auch in der
Neuen Welt liefern mehrere Palmen ein geschätztes Sagomehl, vor allem
die Mauritiuspalme, eine der schönsten von Amerika, ferner die Wachspalme
von Nordbrasilien und die Kohlpalme Westindiens. Von größerer
Bedeutung sind indes einige Farnpalmen Indiens, der malaiischen Inselwelt
und Japans, die deshalb auch unechte Sagopalmen heißen. Die gefiederten
federartigen Wedel dieser Sagopalme werden an Stelle echter Palmenzweige
als Grabschmuck verwendet. Sie stammen vom japanischen Palmfarn, der auf
den Liu Kiu Inseln nur mit Erlaubnis der Regierung gefällt werden
darf, weit der von Stärkemehl erfüllte Stamm für den nicht
seltenen Fall, das Wirbelstürme die Getreideernte vernichtet haben,
eine wertvolle Nahrungsquelle ist.
Eine dem Sago
verwandtes Nahrungsmittel ist die Tapioka, die deshalb auch brasilianischer
oder westindischer Sago heißt. Sie wird aus den Wurzeln einer Wolfsmilchart
bereitet, die denen unserer Georgine gleichen, doch über einen halben
Meter lang und mehr als zwanzig Pfund schwer werden. Im frischen Zustand
sind diese Knollen äußerst giftig, da sie einen blausäurehaltigen
Milchsaft enthalten; zerrieben, ausgepreßt und gekocht oder geröstet,
werden sie jedoch völlig unschädlich und gelten als gute Speise.
Das aus den
Wurzeln gewonnen "Mandiokamehl" wird zum Brotbacken oder zur
Herstellung von Sago viel gebraucht.
Als Kuriosum
sei kurz noch des wilden Sagos gedacht, walnußgroßer, wohlschmeckender
Wurzeln eines Liliengewächses, das in den Wüsteneien um den
großen Salzsee häufig ist. Es spielte eine große Rolle
bei der Gründung des Staates Utah durch die "Heiligen des letzten
Tages" im Jahre 1847, denn was das Manna in der Wüste den nach
Kanaan ziehenden Juden gewesen war, das wurde dieser wilde Sago den eine
neue Heimat suchenden Mormonen.
Sago läßt
sich also aus jeder Stärkeart gewinnen. So wird der Portlandsago
in England aus dem Wurzelstock des auch bei uns häufigen Aronstabes,
der billige deutsche Sago aber aus Kartoffelstärke hergestellt, indem
man diese anfeuchtet und dann durch Siebe reibt. Die so erhaltenen Körner
werden in rotierenden Fässern gerundet, gesiebt und schwach erhitzt,
worauf man sie durch Einleitung von Dampf verglasen und dann erkalten
läßt. Die Einführung des Kunstsago ist das Verdienst eines
Deutschen namens Sattler. Sie erfolgte in jenen harten Zeiten, da die
Hand des Franzosenkaisers Napoleon I. schwer auf unserem Vaterlande lastete
und die Kontinentalsperre die Einfuhr englischer Waren unmöglich
machte.
Heute wird
Kartoffelsago in zahlreichen Fabriken hergestellt. Auch Frankreich erzeugt
ihn nach einem etwas anderen Verfahren, bei dem gelochte Platten statt
der Siebe verwendet werden. Doch all dieser Ersatz vermag den Palmensago
nicht zu verdrängen; die Sagoindustrie hat vielmehr ständig
zugenommen, so daß man diese Palmen jetzt auch an vielen anderen
Orten pflanzt.
Gibt es doch
kaum noch eine andere Pflanze, die den sonst unbrauchbaren Sumpfboden
so vorteilhaft ausnützt, wie die Sagopalme, die Ernährerin von
Millionen Menschen.
Quelle: Bibliothek der Unterhaltung und
des Wissens, Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart,1925, von rado
jadu 2001
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