| Kamerun | Togo | Südwestafrika | Ostafrika | Index-Home | Südsee | Kiautschou | Neu-Guinea | Samoa |

 

Das Südseegebiet

Allgemeines, Weltlage.

Anders als unsere sämtlichen übrigen Schutzgebiete stellt sich das Deutsche Südseegebiet dem unbefangenen Beobachter dar. Da es an einer Stelle größere Landflächen umfaßt, kann man gerade hier, am Neuguineafestlande und dem Bismarckarchipel, bis heute kaum von den Anfängen einer Kultur sprechen. Setzen wir die Ausfuhr als Maßstab für diese, so ergibt sich, dass noch im Jahre 1908 ihr Wert in diesem westlichen Teile unseres Inselreiches von demjenigen auf den an Größe ihm gegenüber verschwindenden kleinen Inseln (ohne den Samoaarchipel) um mehr las das Doppelte übertroffen wurde. Und das trotz der ungemeinen Fruchtbarkeit des Bodens, die namentlich die Hauptinsel als ein Zukunftsland ersten Ranges erscheinen läßt.

Wirtschaftlich so gut wie unerschlossen, bildet dieser Teil unseres Südseebesitzes auch in der Bevölkerung einen Gegensatz zu den viel dichten bewohnten Inseln der kleineren Gruppen. Endlich aber sind es die für die Entwicklung von Handel und Verkehr so bedeutsamen linearen Maßstäbe und ist es schließlich die Weltlage im allgemeinen Sinne, welche dem deutschen Landbesitz im Stillen Ozean eine Sonderstellung von so großer Eigenart zuweisen, dass wir hier einen Augenblick bei ihr verweilen müssen.

Das ganze Inselgebiet, das Kaiser-Wilhelmland eingerechnet, ist über eine so ungeheure Meeresfläche verstreut, dass schon dadurch eine scharfe Trennung in Verkehrs- und verwaltungspolitischer Hinsicht begründet wird. Entspricht doch die Entfernung zwischen den äußersten Endpunkten der deutschen Besitzungen, der Samoagruppe auf der einen und den westlichen Inselchen der Palaugruppe, dem sechsten Teil des Erdumfanges. Und doch ist die ganze unter dem Schutze des Reiches stehende Landfläche noch nicht einmal halb so groß wie dieses selbst; sie entspricht nicht ganz einem Zehntel unserer gesamten überseeischen Besitzungen.

Der zweite dem Ganzen eigentümliche Zug ist seine vollkommen tropische Natur. Im vollsten Sinne äquatorial schon seiner Breitenlage nach, ist seine Hauptfläche, ja auch die meisten der einzelnen Inseln zwischen dem zehnten Grad nördlicher und dem entsprechenden südlicher Breite gelegen; nur die Samoagruppe im Süden und die Marianen im Norden liegen etwas weiter vom Äquator entfernt. Endlich aber, und das ist noch wesentlicher als die Breitenlage, ist es die geringe Ausdehnung des Landes selbst auf der größten, fast festländisch zu nennenden Insel, die allseitig wirksame Nachbarschaft ungeheurer, keinem großen Kontinent benachbarter Meeresflächen, welche von vornherein eine Gleichmäßigkeit der Temperatur bedingt, die wiederum eine gewisse Gleichartigkeit der wirtschaftlichen Möglichkeiten unter sonst gleichen Verhältnissen ( Boden, Niederschlagsmenge usw.) hervorruft.

Nicht ohne Interesse für den Leser ist endlich der Maßstab der Zeit, der ihm am besten die ungeheure Verstreuung dieser Inselgruppen zu vergegenwärtigen vermag. Während der Unterschied der Ortszeiten innerhalb des Deutschen Reiches im äußersten Falle nicht viel über eine Stunde (genauer 68 Minuten) hinausgeht, beträgt er schon innerhalb einer einzigen Gruppe, auf den Karolinen, rund 80 Minuten und erreicht innerhalb unseres ganzen Südseegebietes gar den für seine Kleinheit erstaunliche erscheinenden Wert von drei und einer halben Stunde.

Wenden wir uns nunmehr zu der Lage der Südseebesitzungen im Verhältnis zu den wichtigen Punkten und Linien des Weltverkehrs. Für ein Inselgebiet wie das hier behandelte besitzen diese Beziehungen ja schon um deswillen eine erhöhte Wichtigkeit, weil für ein solches nicht allein der eigene, sondern der seine Gruppen kreuzende Verkehr von Bedeutung sein kann. Vorläufig allerdings machen sich auch hier nur gewisse Anfänge bemerkbar.

Am meisten außerhalb der großen Weltlinien liegen die vom Kaiser-Wilhelmland und dem Bismarckarchipel eingeschlossenen Gewässer, da ihre Beziehungen zu Asien wie zu Amerika, äußerst geringe sind. So nimmt denn die Verbindung, welche namentlich durch eine von Singapore nach Neuguinea fahrende Zweiglinie des Norddeutschen Lloyd hergestellt wird, eine recht erhebliche Zeit in Anspruch, denn der Dampfer gebraucht, von Neapel ab gerechnet, rund sechs Wochen für die Fahrt bis zur Neuguineaküste. Der eigentliche Weltverkehr aber kann sich an dieser Stelle nur in einer Richtung geltend machen, in welcher er auch in den Anfängen bereits bemerkbar wird; es ist die Lage dieses Gebiets in dem Zuge des Australien mit dem zukunftsreichen Japan verknüpfenden Verkehrs. Vorläufig ist es Simpsonhafen, der von der von Sydney über Hongkong verkehrenden Austral-Japanlinie der genannten Schiffsgesellschaft angelaufen wird, freilich zunächst in längeren Zwischenräumen.

Eine der für die Zukunft im Durchgangsverkehr wichtigen Inselgruppen können die Marianen, der nördlichste unter den Kleininselhaufen, werden. Liegen sie doch in demjenigen Gebiet des Großen Ozeans, in welchem sich mehrere besonders wichtige Linien schneiden müssen. Diese sind die eben erwähnte Route von Japan nach Australien, weiterhin die von Nordamerika nach den Philippinen und der südasiatischen Inselwelt gerichtete Linie und endlich diejenige, welche nach Fertigstellung des Panamakanals diesen mit einem Teile Ostasiens verknüpfen würde.

Gehen wir indessen von diesen erst künftig voll in Wirksamkeit tretenden Beziehungen ab, so mögen einige unmittelbare Entfernungsmaße das Bild vervollständigen. Von dem im Bismarckarchipel gelegenen Hafen Herbertshöhe aus gerechnet beträgt die Entfernung in nautischen Meilen ( = 1,85 km)

nach Friedrich-Wilhelmshafen  425  Seemeilen
nach Konstantinhafen  425  Seemeilen
nach Stephansort  430  Seemeilen
nach Sydney 1835 Seemeilen

 

Quelle: Die Deutschen Kolonien, II. Das Südseegebiet und Kiautschou, von Prof. Dr. R. Dove, Göschen'sche Verlagshandlung 1911, von rado, © Jadu 2000

Bild
Bild

Gesundheitsfürsorge in den pazifischen Schutzgebieten des Zweiten Deutschen Kaiserreichs
The Marschall Islands
Flags used in the Marshall Islands

Paul Jacoulet (1896-1960) Gallery of Micronesian Prints    sehr schöne Drucke!

German Period (1885 - 1914)
Trust Territory of the Pacific Islands

webmaster