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Das deutsche Kolonialmuseum

Museum

dessen Vorbesichtigung durch das Kaiserpaar in der vorigen "Woche" bereits bildlich fixiert wurde, ist mittlerweile als Sehenswürdigkeit nicht nur den Kolonialinteressenten, sondern auch dem größeren Publikum geöffnet worden. Wir müssen uns zwar hier versagen, eingehender diese Kolonialausstellung zu beschreiben, die so viel des Anziehenden und Belehrenden bietet, wollen aber an der Hand der Bilder einige charakteristische Eigenarten hervorheben. Vor allem ist die äußere Anlage des neuen Berliner Museums von großer Einfachheit, aber von wohldurchdachter Planmäßigkeit. Das große Kabinett ist nämlich in zwei Teile eingeteilt, deren unterer von Sammlungen aus Kamerun, Togo und Südwestafrika mit entsprechenden Dioramen, Ausstellung der Missionen von China und Kriegsschiffsmodellen eingenommen wird, während in dem oberen Freilichtpanorama Neuguinea, China und Ostafrika vertreten sind.

Betritt man das Museum, zwischen Kruppschen Geschützen hindurchgehend, die in Tsingtau erbeutet worden, so öffnet sich der Blick auf eine Felsschlucht, die als eine Art Wintergarten mit lebenden Palmen gestaltet worden ist, mit der Büste des Kaisers im Hintergrund. Wir schlängeln uns durch eine Treppe empor auf das obere Stockwerk in das Freilichtpanorama mit seinen prächtigen Ausblicken auf tropische Landschaften, ein farbiges, stimmungsvolles Bild von prächtiger Wirkung, zumal des Abends, wenn von dem Leuchtturm das elektrische Licht strahlt. Über die große Schlucht blicken wir auf den Viktoriasee, dessen Ufer von einer eigentümlichen Felsenformation bedeckt sind, flankiert auf der einen Seite von dem Araberhaus und einer Rundhütte, auf der andern von dem Europäerhaus auf Neuguinea, das mit den originellen wertvollen Schnitzereien der dortigen Eingeborenen angefüllt ist.

China
Viktoriasee
Das Team

 

Gehen wir durch das arabische Haus mit seinem Ausblick auf den Hafen von Dar-es-Salaam, so grüßt uns mit seinem schwarzen Personal das arabische Café, das vom Deutschen Kolonialhaus verwaltet wird. Daneben ist ein indischer Laden mit allerlei primitiven Tauschartikeln, wie sie der Eingeborne liebt, am Araberhaus angeklebt.

Vor uns baut sich in großartigen Proportionen der bunte chinesische Tempel auf, mit seiner glückverheißenden Inschrift in blauen Farben leuchtend. Es ist die Nachbildung eines Tempels in Kiautschau, und daneben öffnet sich die Straße mit dem Mandarinenhaus und dem halbverfallenen Ehrenbogen im Hintergrund. Der Straße fehlt noch das, was die chinesischen Plätze auszeichnet, das "wimmelnde" Element; aber an den Schuhflicker aus Berlin, der seine Gerätschaften weiter trägt, bis er einen Kunden findet, werden sich bald noch andere Figuren anreihen. Immerhin zeigt dieses Diorama in vorzüglicher Weise das Eigentümliche dieser Sehenswürdigen neuen Berliner Ausstellung.

Kaiserpaar

Bei der Eröffnung waren folgende Personen Anwesend:

Der Kaiser
Die Kaiserin
Bildhauer Franke
Baurat Heim
Kommerzienr. Pintsch
Gräfin Keller
Oberst v. Mackensen
Direktor Meinecke
Graf  v.Schweinitz
General  v.Plessen
Dir. v.Buschka
Dir. v.Beck

Quelle: Die Woche, 1899, von rado jadu 2001.