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Afrikanische Tage und Nächte

von Ferdinand, König von Bulgarien,geborener Prinz von Sachsen-Coburg-Gotha,
wurde 1908 zum König von Bulgarien gekrönt, 1918 dankte er ab.

König Ferdinand

Am 26. Februar begeht König Ferdinand von Bulgarien seinen 70. Geburtstag, fern dem Lande, das er in einunddreißigjähriger Regierung zu hohem Aufschwung und weitem Aufsehen gebracht hat. Schon als heranwachsender Knabe hatte er großes Interesse für die Naturwissenschaften gezeigt, sich namentlich ornithologischen und botanischen Studien gewidmet. Zur Regierung gelangt, legte er in Sofia den ersten Zoologischen Garten auf dem Balkan sowie umfassende naturwissenschaftliche Sammlungen an, die er stetig vermehrte und denen noch heute seine lebhafte Teilnahme gilt. Seit dem Ausgang des Weltkrieges lebt König Ferdinand in Koburg und beschäftigt sich auf das emsigste mit allem, was die Natur betrifft. Nach dem Friedensschluß unternahm der König längere Fahrten nach Südamerika, Ägypten, dem Sudan, nach dem Inneren Afrikas, als leidenschaftlicher Wissenschaftler, der seine Kenntnisse zu vermehren und auszuarbeiten trachtet. — Wir sind in der Lage, aus der Feder des Königs einen Abschnitt der Schilderung seiner letzten reise nach dem Viktoria Njansa und zu den Bergriesen Äquatorialafrikas zu veröffentlichen.

Am 11. März des vergangenen Jahres passierten meine Reisegefährten, zu denen neben der Gräfin Viktoria zu Solms Rödelheim, Prinzessin zu Leiningen, einer begeisterten Pflanzenfreundin, der Zoologe Dr. Hans von Boetticher gehörte, und ich den Äquator an Bord des Dampfers "Tanganjika".

Natürlich veranlaßte dies den Beherrscher der Meere, unserem Dampfer einen Besuch abzustatten und verschiedenen Neulingen einen kleinen Schabernack zu spielen. Wir hatten die Heimat verlassen, um innerhalb bestimmter afrikanischer Gebiete geographische und klimatische Aufschlüsse zu erhalten und vornehmlich einen Einblick in die Zusammensetzung der Flora und Fauna zu gewinnen.

Am Abend des 13. März war unser nächstes Ziel erreicht; unser schönes Schiff lief in den Hafen von Kilindi ein, von wo uns am folgenden Tage die Bahn nach Nairobi, der neuen Hauptstadt der britischen Kenyakolonie, entführte. Die Wagen sind sehr bequem und praktisch eingerichtet, dreierlei Fenster, solche aus Glas, aus Moskitogitter und aus Holz als Sonnenrouleaus können nach Belieben emporgeschoben werden. Abends, nach einem guten Abendessen im Speisewagen, geht man auf den mittlerweile mit sauberer Wäsche zu angenehmen Betten umgewandelten Polstern zur Ruhe.

Das Ungewohnte und Neue ließ mich am nächsten Morgen frühzeitig erwachen, gerade zur richtigen Zeit, um im fahlen Dämmerlicht, dann aber im strahlenden Gold der aufgehenden Sonne das herrliche, unvergeßliche Bild des majestätischen, schneebedeckten Gipfels des Kilimandjaro, des Kibo, des höchsten Berges Afrikas, genießen zu können. Weithin dehnte sich bald niedrige Dorn, bald dichtere Buschsteppe, die Nyika, aus, dann wieder fast wüstenhafte steinige Einöde. Immer häufiger sahen wir Strauße, Zebras, Kuh- und Elefantenantilopen, Gnus, Gazellen aller Art und anderes Getier mehr.

Nairobi überraschte uns durch den denkbar günstig gewählten Platz für eine Stadt, die wachsen und blühen soll. Schier unermeßlich erstreckt sich die Ebene, nach allen Richtungen kann sich die Stadt hier ausbreiten. Das Klima ist angenehm und gesund wie selten in den Tropen. Das Viertel der europäischen Beamten, Kaufleute usw. ist ein reizendes Villenquartier inmitten hübscher, blühender Gärten. Die City, das Geschäftsviertel erinnert an amerikanische Städte, die in schnellem Werden begriffen sind. Die Kronkolonie zählt nahezu 3 Millionen Einwohner, darunter an 13 000 Europäer; Handel und Wandel sind in steter Steigerung begriffen, bei der Ausfuhr nehmen Rohbaumwolle, Kaffee und Sisalfaser die Hauptkontrolle ein.

Der erste Ausflug führte uns nach Stone Athi, gewissermaßen eine kleine Oase inmitten einer steinigen Einöde. Wir durchquerten das großartige Wildreservat, das sogleich vor den Toren von Nairobi beginnt.. Strauße, Gnus, Zebras, Antilopen, Impalas, Giraffen und andere Tiere sind zutraulich und furchtlos; sie haben sich an den Menschen gewöhnt, der ihnen nichts antun darf. So müssen die Wildherden in ganz Afrika gewesen sein, als die ersten Weißen ins Land kamen. Wahrlich, es war damals kein großes Kunst- und Heldenstück, diese zutraulichen Geschöpfe zu jagen, zu schießen und - auszurotten! Aufs wärmste ist es zu begrüßen, daß jetzt die Regierungen der einzelnen Kolonien, besonders der englischen, dafür sorgen, daß die Wildbestände geschützt und geschont werden, daß die Wildbestände geschützt und geschont werden, daß jetzt die Regierungen der einzelnen Kolonien, besonders der englischen, dafür sorgen, daß die Wildbestände geschützt und geschont werden, daß sie den jagenden Touristen (lies: Wildschlächter!) die Erlaubnis versagen, ihrer "Leidenschaft" zu folgen. An einer Stelle zeigte uns eine große Geieransammlung, daß ein Zebra von einem Löwen gerissen worden war. Nicht nur diese riesigen Vögel stritten sich um die Reste der Löwenmahlzeit, sondern auch hungrige Eingeborene holten sich einige saftige Steaks, die sie nach Hause schleppten.

Der Berg

Immer wieder hatten unsere Augen den Kilimandjaro, den Riesen unter den Bergen, gesucht; dichte Wolken umhüllten sein erhabenes Haupt. Plötzlich aber erschien der schneebedeckte Kibo in leuchtender weiße am blauen Himmel des Horizontes, geisterhaft schier nur der Gipfel allein ohne Fundament des im zitternden blauen Dunst der weiten Ferne verschwindenden Gebirgsfußes. Ein Bild, so zart und sein wie aus Pastell oder einem japanischen Aquarell vergleichbar, auf dem die Maler den heiligen Fujijama ebenso geisterhaft am blauen Himmel des Horizontes schwebend darstellen. Am 20. März traten wir in zwei Personen- und einem Gepäckauto, unter Führung eines ehemaligen englischen Kapitäns, unsere große Fahrt an, die uns an den Viktoria Njanza, das afrikanische Binnenmeer, und an den Runssoro oder Ruventso, den Bergriesen an der Grenze zwischen Britisch Uganda und Belgisch Kongo, führen sollte. Stellenweise wird die sonst vorherrschende Steppe dichterem, den tropischen Charakter reiner offenbarendem Urwald, in dem wir uns an dem Anblick einer Pavianenfamilie erfreuen konnten, bis der mächtige Familienvater das Zeichen zum Aufbruch gab und mit Frau und Kindern den Abhang hinunter ins Gebüsch verschwand.

Eine ungeahnte Überraschung erlebten wir, als mitten in der gelb verbrannten und nur erst spärlich neu ergrünenden Steppe, umrahmt von malerischen Berzügen, der Elmenteitasee und später der Nakurusee in strahlender Saphirbläue auftauchte. Eine breite, intensiv rosenrot schimmernde Umrahmung der blauen Wasserflächen ließ sich blicken. Erst näherkommend löste sich das Rätsel. Ungezählte Legionen rosafarbener Flamingos waren es, die, im seichten Uferwasser stehend, in dichtgedrängten Scharen den wundervollen Rahmen um die himmelblauen Fluten bildeten. Tausende von ihnen flogen auf und strebten, rosenroten Wolken gleich, anderen Teilen des Ufers zu, das von einigen Pelikanen und Nimmersatten sowie von allerhand kleinem Strandgeflügel belebt war. Mitten im See lagen, grauen, verwitterten Felsen gleich, drei alte Kiboko, Nilpferde, mit einem niedlichen Baby. Auf der Weiterfahrt gerieten wir zweimal in dichten Scharen ziehender Wanderheuschrecken. Schon von weitem sah man die gelbliche bis silberweiß glänzenden Züge in gewaltigen Schlangenlinien sich über die Steppe hinziehen, gefolgt von Hunderten von Vögeln, den erfolgreichsten Gegnern dieser schrecklichen Landplage.

Beim Ort Busia erreichten wir die Grenze, die die Kenya Kolonie von dem Uganda Protektorat trennt. Das Steppenland hatten wir hinter uns, bald nahmen uns dichte Waldungen auf, die diese hinter der Kulturlandschaft erheblich zurücktreten. Dicht bevölkert ist das Land, eine Plantage reiht sich an die andere, das ist auch mit den Eingeborenensiedlungen der Fall. Man trifft in ihnen einen gewissen Wohlstand, die Männer machen in ihren langen weißen Hemden, die Frauen an Feiertagen sogar in bunten Seidenroben mit Sonnenschirmchen, im Vergleich zu den armen, halbnackten Bewohnern Kenyas einen geradezu satten, wohlhabenden Eindruck.

Ankola Rinder

Tief, unvergeßlich waren die Eindrücke, als zum erstenmal die erstaunten Blicke über die endlose Weite des Viktoria Njanza schweiften; trefflich waren wir aufgehoben in Jinja im Ibis Hotel, in dessen herrlich blühendem Garten die Bülbüls und Girlitzen sangen, während Nektarvögelchen und Prachtfinken verschiedenster Art emsig von Busch zu Busch flogen. Fesselndste Beobachtungen konnte ich längs des Strandes anstellen, eine Fülle der verschiedenartigsten Vögel tummelten sich hier und belebten die schilfbewachsenen Ufer. Auch Krokodile ließen sich blicken, Kormorane flogen und tauchten fleißig in die Fluten, auf der Jagd nach Fischen, an den Riponfällen des hier aus dem See heraustretenden Weißen Nils standen zahlreiche Edelreiher und Klaffschnabelstörche.

Probleme?

Mittels einer Dampffähre gelangten unsere Wagen auf das andere Ufer, das völlig den Charakter eines Meeresstrandes annimmt, selbst die Brandung fehlt nicht. Das reizend in Mubanda gelegene Rasthaus lud zum Ausruhen ein. Es liegt auf einer Anhöhe und gewährt einen genußvollen Blick über die Gegend; in bläulichem Dunst entschwinden in der Ferne die Gebirgszüge, denen wir dann zustrebten, teils dichten, frischgrünen Urwald, in dem angenehme Kühle herrschte, durchquerend. Nach seinem Verlassen grüßte stolz und königlich das gewaltige Massiv des Ruwenzori.

In Fort Portal erreichten wir den westlichsten Punkt der ganzen Reise und fanden Unterkunft für mehrere Tage in einem behaglichen, kleinen, einstöckigen Hotel, das mit seiner echt englischen Gemütlichkeit, Bequemlichkeit und Sauberkeit oftmals vergessen ließ, daß man mitten im Herzen Afrikas sich befand. Ein buntes und anthropologisch wie ethnographisch interessantes Bild bot der Markt her. Von weit her kamen die Leute, um Nahrungsmittel und verschiedene Geräte, Messer, Speerspitzen, Pfeilen, Gürtel u.a.m. zu verkaufen, zu kaufen oder einzutauschen. Am fesselndsten waren im Völkergemisch die kleinen Urwaldzwerge, Wamputti oder Batwa, die die Reste der eigentlichen Urbevölkerung Afrikas darstellen und jetzt, durch die eingewanderten Stämme zurückgedrängt, zerstreut und vereinzelt im weiten Gebiet des ganzen Zentralafrika leben. Die Kleidung dieser kleinen Männer und Frauen beschränkt sich eigentlich lediglich auf einige Lederriemen, dafür ist der Bauch bei beiden Geschlechtern mit verschiedenen Schrmucknarben verziert.

Mancherlei Ausflüge wurden unternommen, der eine bereits um die vierte Morgenstunde nach der romantisch wirkenden Schilfhütte eines Farmers, da dieser uns die Nachricht von dem Besuch einer Elefantenherde seiner Besitzung gesandt hatte. Stunde um Stunde verging, da kam ein Eingeborener atemlos angerannt mit dem Rufe: "Hapana!" — "Sie sind da!" — Und in der Tat! Fern auf einem der Berghänge sah man eine längliche, schwarze, raupenartig sich vorschlängelnde Linie sich bewegen, es waren die Elefanten. Bald schon konnten wir sie zählen, es waren rund 75 Tiere, darunter mehrere starke, kräftig bewehrte Bullen und etwa ein Dutzend kleiner, niedlicher zum Teil noch bräunlich aussehender Elefantenbabys. Immer näher kam die Herde zu uns heran, sie ließ sich dann zur Ruhe nieder, erst nach einer Weile sich zum Weitermarsch bequemend, in nicht allzu großer Entfernung an uns vorbeiziehend. Plötzlich sprang der Wind etwas um, und die Rüssel hochnehmend und erregt trompetend, zog die ganze Gesellschaft empört davon und verschwand im hohen Elefantengras.

Schlafender Elefant!

Unbeschreiblich schön die Abende, wenn die tagsüber verhüllt gewesenen Hauptgipfel der Runssorokette (Ruwenzori) aus den Wolken sich befreiten und die schneebedeckten, wildzerklüfteten Grate in der Abendsonne gleißend erstrahlten. Und ebenso unvergeßlich auf der Rückreise der abermalige Aufenthalt in Jinja, wo wir stille Nachtstunden am Viktoriasee verbrachten, an jener Stelle, an welcher der Nil, der heilige Strom, den größten See Afrikas verläßt, um seine segenbringenden Fluten nordwärts zu tragen und das älteste Kulturland der Erde (nach 6000 Kilometer langer Fahrt) zu bewässern und zu befruchten. Geheimnisvoll rauschten die brandenden Fluten des Stromes, vom Licht des Mondes silbern bestrahlt, ihr wehmütiges Lied, wie vor Jahrtausenden so auch heute. Weihevoll fener ein Abend am Nyeri am Fuß des gewaltigen Kenya, mitten in der unendlichen Steppe. Melodisch erschallte der weiche Ruf des Flötenwürgers, Tauben gurrten, murrten, turtelten und tamburinten, einige Klippschliefer keckerten und grunzelten in den nahen Felsen des Bergabhanges. Meilenweit dehnt sich die gelbgrau verdorrte Grassteppe aus, und auf der anderen Seite erhebt der zweitgrößte Gipfel des Erdteils, der Kenya, sein stolzes Haupt, das während des größten Teil des Tages in dichte Wetterwolken gehüllt ist.

Aber jetzt, gegen Abend, teilen sich die schwarzgrauen Schwaden, und die zackige, himmelragende Felsspitze wird sichtbar. Hell leuchten die Felder des frischgefallenen Schnees an ihren steilen Hängen im Licht der abendlichen Sonne auf. Die Dämmerung war über das Land gefallen. Geisterhaft flogen leise schnurrende Nachtschwalben umher. Urplötzlich brach tiefschwarze Nacht herein, nur im Süden leuchteten in schneller Folge grelle Blitze auf, und fernes Grollen des Donners verkündete das heraufziehende Gewitter. Wenige Tage später trafen wir in Moschi am Fuße des Kilimandjaro ein, dann ging es durch das malerische, bald ernste, bald liebliche Usambaragebirge nach Tanga, wo uns unsere "Tanganjika" erwartete, die uns nach Messina brachte, von wo die Heimreise über Land angetreten wurde.

Quelle: Die Woche, Heft 8, 1931, von rado jadu 2001

Das Nyika Plateau, für Afrika etwas Besonderes

 Kenia  Geographie: Die Küstenniederung ist im Süden schmal, verbreitert sich aber nordwestlich zur somalischen Grenze. Dahinter steigt die Nyika-Hochebene an. Das vulkanische Hochland im Westen ist durch den Nord-Süd-Schnitt des Ostafrikanischen Grabens zweigeteilt. Auf der Westseite erstrecken sich der Mau- und der Elgeyo-Abbruch von der tansanischen Grenze im Süden bis zu den Cherangany-Hügeln in der Nähe des Mount Elgon an der ugandischen Grenze. Östlich des Ostafrikanischen Grabens erheben sich der Laikipia-Abbruch und das Aberdare-Gebirge mit der Hauptstadt Nairobi an dessen Südende. Östlich des Aberdare-Gebirges erhebt sich der höchste Berg Kenias. Die zwei größten Flüsse, der Tana und der Galana, fließen südostwärts aus dem Hochland durch die Nyika-Ebene. Westlich des Hochlands senkt sich das Grasland zum Ufer des Viktoriasees ab.
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