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Friedrich Hornemann

In den Jahren, die Mungo Park zwischen seinen beiden Reisen in London verlebte hat der deutsche Friedrich Hornemann, gleichfalls im Auftrage der Afrikanischen Gesellschaft, von Kairo aus das Niger Problem zu lösen versucht; er ist aber kurz vor dem erreichen seines Zieles in der Landschaft Nupe im jetzigen Britisch-Nigeria der Ruhr zum Opfer gefallen.

Hornemanns Reise gehört ebenfalls zu den Großtaten der Afrikaforschung, und wir müssen sie daher etwas ausführlicher behandeln. Pastorensohn aus Hildesheim, sollte er in Göttingen Theologie studieren. Jedoch beschäftigte er sich von vornherein stets lieber mit Afrika und studierte, um selbst einmal Entdecker zu werden, nebenher Naturwissenschaften. Schon 1795 — dem Jahre von Mungo Parks erste Reise — erbat sich Hornemann von dem noch heute berühmten Arzt und Rassenforscher Blumenbach auf Grund des Entwurfs zu einer Sahara Reise eine Empfehlung an die Afrikanische Gesellschaft. Diese nahm den Plan sofort auf, ließ Hornemann auf ihre Kosten in Göttingen seine naturwissenschaftlichen und sprachlichen Studien für diese Reise beendigen, prüfte ihn 1797 in London und schickte ihn noch im gleichen Jahre nach Kairo, damit er dort aus an die Lösung des Niger Problems gehe.

Bei dieser schnellen Entwicklung — ein Dreiundzwanzigjähriger entwirft einen Plan zur Durchquerung der Sahara, ein fünfundzwanzigjähriger versucht ihn auszuführen — interessiert die Tatsache, daß die Grundlage von Hornemanns Berechnungen falsch war. Sein Plan bezog sich auf die damals allgemein benutzte Karte des englischen Gelehrten James Rennel von 1790; auf ihr aber waren alle Punkte des westlichen Saharagebietes viel zu weit nach Nordosten verlegt. Daraufhin entstand der Glaube, daß das Innere der Sahara und sogar Teile des Sudans am bequemsten von Tripolis oder Kairo aus zu erreichen sei. So sonderbar uns also heute Hornemanns Plan anmutet — für die damaligen Kenntnisse und Anschauungen war es nur folgerichtig.

Durch die Pest und Napoleons Expedition nach Ägypten verzögerte sich Hornemanns Aufbruch in das Innere. Schon im Juli 1797 hatte er in Paris die Bekanntschaft eines angesehenen türkischen Kaufmannes gemacht, der mit Tunis und Tripolis in einträglichem Handelsverkehr stand. Da Hornemann jedoch nicht über Tripolis und Fessan reisen wollte, wie ihm der Kaufmann vorschlug, gab dieser ihm Empfehlungen mit, die später sehr wertvoll werden sollten. Die von Hornemann befürchtete Störung seiner Absicht durch die Landung der Franzosen in Ägypten blieb nicht nur aus, sondern Bonaparte nahm ihn sogar unter seinen Schutz, versah ihn mit allen nötigen Pässen und bot ihm außerdem Geld an. Am 31. August 1798 schrieb Hornemann an die Afrikanische Gesellschaft :"Ich werde als mohammedanischer Karawanenkaufmann reisen. Unter diesem Charakter bin ich imstande, mit derselben Sicherheit wie ein Eingeborener des Landes zu gehen."

Gebräuche und Gebete der Mohammedaner hatte er in Kairo studiert. "Als Christ zu reisen, wird gewiß für wenigstens fünf Jahre eine Sache der Unmöglichkeit sein." Die Landung der Franzosen hatte den Haß des Islams gegen die Abendländer wieder aufleben lassen. Später schrieb Hornemann: "Ich werde für einen Mohammedaner gehalten, reise niemals allein und bin auch in unserer Karawane nur ein kleiner unbedeutender Kaufmann." Freilich: bei astronomischen Beobachtungen behinderte ihn dieser angenommene Charakter sehr, und auch sein deutscher Begleiter Joseph Freudenberg, der zehn bis zwölf Jahre vorher zum Islam übergetreten war und drei Reisen nach Mekka gemacht hatte, konnte Hornemann nach dem Aufbruch im September 1798 nicht alle Gefahren fernhalten. Seine Bücher hat Hornemann zum Beispiel vor Antritt der reise sicherheitshalber in den Nil werfen müssen. So vorbereitet, gelang es ihm, der offenbar nicht nur mit einer eisernen Gesundheit, sondern auch mit einer ungewöhnlich glücklichen Fähigkeit der Menschenbehandlung begabt war, über die Oase Siwa (wo er bei der Besichtigung von Ruinen in Gefahr geriet, als Christ erkannt zu werden) mit der Karawane, der er sich angeschlossen hatte, schon am 17. November 1798 nach Mursuk zu gelangen.

Wir lesen über die Ankunft dort in seinen Aufzeichnungen:
"Der folgende Tag, der 17. November, machte unserer langen und mühseligen Reise ein Ende. Wir kamen, nach einem langen Marsche von drei Stunden, in die unmittelbare Nachbarschaft von Mursuk.
"Der Sultan hatte sich, von Höflingen und einer großen Anzahl seiner Untertanen umgeben, auf einer Höhe gelagert. Die Karawane hielt hier still, und alle Männer von einiger Bedeutung in derselben stiegen ab, um ihn zu begrüßen. Ich näherte mich den übrigen und fand den Sultan in einer altmodischen, mit grün und rot gestreiften Tuch überzogenen Lehnstuhl sitzen, der am oberen Teile eines ovalen Platzes stand. Der Sultan selbst trug tripolitanische Kleidung und über ihr ein weites, nach sudanischer Art mit Silber durchwirktes Hemd. Nahe bei ihm standen einige seiner weißen Mamelucken und schwarze Sklaven mit bloßen Säbeln; hinter diesen befanden sich sechs Fahnen und einige schwarze, halbnackte Sklaven mit alten Speeren und Hellebarden, so wie sie vielleicht zu Zeiten Saladins gebräuchlich gewesen sein mögen. Wir traten in den Kreis durch eine Öffnung, die man dem Sultan gegenüber gelassen hatte, zogen dem Hofgebrauche gemäß etwa in der Mitte des Kreises die Pantoffeln aus und näherten uns barfuß, um zum kaiserlichen Handkusse zu gelangen. Jeder von uns trat alsdann zurück und setzte sich zur linken oder zur rechten Hand nieder, wodurch zwei lange Reihen ehrfurchtsvoll dasitzender Männer gebildet wurden. Zuletzt trat der Scheik der Pilger mit gezogenem Säbel in den Kreis. Vor ihm her trug man seine Pauke und die grüne Fahne, welche er von Mekka mitbrachte. Die Pilger folgten ihm und stimmten ihre Gesänge an zum Lobe Gottes, der sie wieder hierhergebracht hatte. Sie fuhren fort zu singen, bis der Sultan ihren Anführer mit dem Versprechen entließ, daß er jedem Zelte einige Datteln und Mehl zuschicken wolle.
"Als diese Feierlichkeit beendigt war, bestieg der Sultan sein Pferd und ritt, von Pauken, Fahnen und Spießen umgeben, im Gefolge seines übrigen Hofstaats und der Araber aus der Karawane, die ihm zu Ehren ihre Pferde tummelten, nach Mursuk zurück."

Nach diesem festlichen Empfang konnte Hornemanns freilich schreiben: "Mein angenommener Charakter als Mohammedaner war jetzt fest gegründet, und ich entging ferneren Untersuchungen und vielleicht vielleicht bestimmteren Proben, die ich nicht würde haben ablegen können." Denn er hatte erklärt, er kenne den Koran wohl besser als seine Karawanengenossen und beherrsche das Arabische nur nicht ausreichend zum sprechen.

Sehr lange, vom September 1798 bis zum Frühjahr 1801, dauerte es, bis Hornemann über Siwa, Mursuk, Kuka, Katsena und Sokoto zum Niger vordrang. Außer Siwa hat Hornemann alle diese Orte als erster Europäer besucht. Überall hat er langen Aufenthalt, teils freiwillig, teils auf Karawanen wartend, eingeschoben. Und hätte er nicht von Mursuk aus einen kurzen Abstecher nach Tripolis unternommen, so wären wir nicht einmal zu dem kleinen Büchlein über die Wanderung von Kairo nach Mursuk gekommen, zu dem er die in einer Eingeborenenwirtschaft verfaßte Handschrift in Tripolis hinterlegte.

Am 6. April 1800 hat Hornemann die letzte Nachricht von Mursuk nach Europa geschickt; sie lautet: "Unsere Karawane ist im Begriff, ihre reise nach Bornu zu beginnen; ich werde mich heute abend zu ihr begeben." Schon ein Jahr danach ist er, im Frühling 1801, in dem Negerdorf Bakkani bei Bussa am Niger an der Ruhr gestorben — ganz in der Nähe sollte fünf Jahre später Mungo Park ertrinken.

Hornemanns Reise gehört mit zu den größten Leistungen der afrikanischen Entdeckungsgeschichte. Er hat fast ausschließlich bis dahin unbekannte Gebiete und zum ersten Male die Wüste Sahara wissenschaftlich bereist. Ja, Teile des Weges von Kairo nach Mursuk sind nach Hornemann bis heute nicht wieder von Weißen erforscht worden. Mit den Bestimmungen der geographischen Breite von Mursuk hat er wenigstens einen Punkt im großen Gebiet Nordwestafrikas festgelegt und so selbst den Fehler auf der Landkarte korrigiert, dem er vor Antritt seiner Reise zum Opfer gefallen war. Mit neunundzwanzig Jahren war dieses Leben eines Forschers bereits beendet, der die Anlagen und Fähigkeiten zu größten Leistungen in sich verspürte und wohl auch nach dem wenigen, was wir von ihm wissen, in seltener Vielseitigkeit besaß. Keiner hat damals so klar wie er die wirtschaftlichen Möglichkeiten der entdeckten und erforschten Gebiete beurteilt: er schrieb in einem Brief: "Nimmt der britische Unternehmungsgeist in dieser Hinsicht eine zweckmäßige Richtung, so ist es kaum zu berechnen, wie sehr britische Manufakturen und Fabriken durch den Absatz ihrer Artikel an solchen ungeheuren Strecken Landes, in deren Schoße sich Gold ohne Mühe findet, gewinnen und zunehmen werden." An einer anderen Stelle heißt es: "Die von der Afrikanischen Gesellschaft künftig auszusendenden Männer werden sich weder blindlings in Gefahr zu stürzen noch furchtsamen Schrittes wie im Dunkeln umherzutappen brauchen; belehrt von der Gesellschaft und erzogen zur Ausführung ihrer Pläne, werden sie mit Sicherheit auf den Weg der Untersuchung gehen, und die Resultate ihrer Bemühungen werden vorteilhaft für Großbritannien, für Afrika und für die ganze Welt sein."

Quelle: Die Eroberung der Erde, Wilhelm Treue, 1939 Deutscher Verlag, von rado jadu 2000

Zum Gedenken an Friedrich Konrad Hornemann
Hornemann
Hornemann 1
Altbestände
Entdecker die ihr Leben verloren (in englisch)
Eine sehr lange Liste von Entdecker (etwas in deutscher Sprache)

Die klassischen Forschungsreisen


 

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