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Zur Postgeschichte unserer Kolonien

Nun ist wohl zunächst die Frage zu beantworten: "Welche Briefmarken hat es denn überhaupt in unseren Kolonien gegeben?" Die Antwort darauf wird manchen überraschen. Zwar nicht in einer Kolonie, sondern in einem sogenannten Auslandspostamt in Konstantinopel sind noch die Marken des Norddeutschen Bundes - des Vorläufers des Kaiserreichs - vom 1. März 1870 bis Anfang 1872 benutzt worden.

Hier gab es auch von 1872-1874 die alten Adlermarken mit kleinem und großem Brustschild. Später kamen dann die Pfennige - und 1879 die Pfennigmarken.

Diese letzte Ausgabe ist auch die erste, die in unseren Kolonien benutzt wurde. Wie fast bei allen Völkern wurde beim Erwerb nicht gleich eine neue Markenreihe für jede Kolonie gedruckt, sondern es wurden die Marken der Heimat verwendet, die dann natürlich nur gestempelt - der Sammler sagt gebraucht - gesammelt werden können, da nur durch die Ortsangabe im Stempel der Nachweis einer Benutzung in der Kolonie erbracht ist. Neben dieser Pfennigausgabe läuft die interessanteste frühe Kolonialmarke, die 2 Mark in verschiedenen Lilatönungen, die in den Katalogen unter Deutsches Reich Nummer 37 geführt wird.

Diese Marke wurde von 1875-1900 in den Kolonien verwendet, aber ebenso wie in der Heimat nicht an den Postschaltern verkauft, sondern erst von den Schalterbeamten selbst auf besonders schwere Briefe, Postanweisungen, Paketadressen und im Boxeraufstand in China auch auf Telegramme geklebt.

Außer dem oben erwähnten Auslandspostamt in Konstantinopel wurde 1886 im Hafenplatz Shanghai in China, das von regelmäßigen deutschen Dampferlinien angelaufen wurde, auf dringenden Wunsch der dortigen deutschen Handelsvertreter die erste deutsche Postanstalt eröffnet; sie war im fernen Osten der Vorläufer einer ganzen Reihe von Anstalten, die besonders während der Boxerwirren 1900-1901 unsern dorthin gesandten Truppen wertvolle Dienste leisteten. Noch im gleichen Jahre setzte sich die deutsche Reichspost auf den Samoainseln im Stillen Ozean fest. Auf den Hauptinseln Upolu und Sawaii waren zahlreiche deutsche Handlungshäuser tätig. Die Post in Apia hatte ein abenteuerliches Schicksal. Zweimal, im Januar 1889 und im April 1895, brannte die ganze Postanstalt ab, jedesmal wurden der gesamte Markenvorrat und die Stempel vernichtet. Der Postmeister behalf sich mit länglichen Barzahlungen stempeln, wie wir sie auch zur Zeit der Inflation in der Heimat erlebt haben. Unverständlich für heutiges Denken aber ist die Tatsache, daß neben dem deutschen Stempel auch einer in englischer Sprache angefertigt wurde, um die Briefe nach englisch sprechenden Ländern zu entwerten. Diese Aushilfstempel sind sehr selten. Gebraucht wurde dort zunächst die Ausgabe 1879, später die Adlerausgabe 1889.

Bei dem lebhaften Handelsverkehr, an dem außer Deutschland auch England und Nordamerika beteiligt waren, kam es vielfach zu Streitigkeiten, die Fürst Bismarck erst 1889 durch die Samoakonferenz und 1899 endgültig durch den Samoavertrag beendete. Damit wurde aus der deutschen Auslandspost ein Kolonialpostamt. Dieses erhielt mit den anderen inzwischen eröffneten Anstalten am 1. März 1900 eigene Marken, nämlich die Adlerausgabe mit dem schrägen Aufdruck "Samoa".

Damit schließt für diese Kolonie und ebenso für alle anderen die Zeit der Vorläufer; denn Vorläufer nennen wir Sammler die Ausgaben, die vor Erscheinen eigener Kolonialausgaben dort verwendet wurden.

Quelle: General a. D. Lademann, Jambo, Die koloniale Monatsschrift der jungen Deutschen 1935, von rado jadu 2000

Postgebäude und Postboten in den Schutzgebieten

 

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