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Woermann Linie
Woermann Linie

 

Die deutschen Afrika-Linien haben ihren Sitz im Afrikahaus in der Großen Reichenstraße in Hamburg, an dem Platz, da 1837 Carl Woermann (1813-1880) aus Bielefeld sein Aus- und Einfuhrhaus begründete. Nach hamburgischer Art wurden die Woermann aus Kaufleuten Kaufmannsreeder, die auf eigenen Schiffen ihre Kaufmannsgüter beförderten. Sie sind unter Hamburgs Kaufleuten dien einzigen, die ihre eigenen Reeder auch in der Zeit der Dampfer blieben, ohne daß sie darüber etwas von ihrem Kaufmannstun hätte abgeben müssen; ja sie konnten noch Reeder für andere werden. Ihre Arbeit aber kam besonders Afrika zugute. Der schwarze Erdteil ist wesentlich von Adolph Woermann (1847-1911), dem Sohn Carls, in die heutige Schiffahrt miteingegliedert worden. Für deutsche Vorstellung sind Afrika und Woermann unzertrennlich.

Zunächst aber hatteCarl Woermann bei seiner Gründung an das spanische Amerika gedacht, wohin ständig das Bielefelder Leinen gegangen war, in dem seine Ahnen seit zweieinhalb Jahrhunderten arbeiteten. Nur wenn der Absatz dahin unterbrochen war, hatten sie nach neuen Märkten gesucht, zum Beispiel sein eigener Vater auf jener nordischen Reise, bei der er die Mutter am Fenster in Kopenhagen sah und sein Herz nicht mehr von ihr lassen konnte. Nach dem spanischen Amerika liefen auch die Vebindungen seines Onkels und Schwiegervaters Weber, der seine Schiffe bis nach Valparaiso sandte. Nach Westindien und den südamerrikanischen Staaten machte also auch das Haus C. Woermann seine ersten Geschäfte, und als es größer wurde, suchte es neue Märkte in Indien und in Australien. Das Haus besaß auch eine "Packetfahrt" nach Australien.

Carl Goedelt wies den jungen angesehenen Kaufmann auf Westafrika. Goedelt dachte nicht an Kaurimuscheln. Aber hatten nicht die Amerikaner hier den Freistaat Liberia begründet? Wenn sich hier eine schwarze Führerschicht entwickelte, hatte die Zukunft, wer mit Liberia ging. Goedelt hatte das Gebiet bereist und schätzte seinen natürlichen Reichtum. Der Gedanke gefiel Carl Woermann. Schon 1849 befuhr seine Kutter "Constanze" die westafrikanische Küste, und 1852 wurde der Schoner "Liberia" eigens für das Liberiageschäft erworben, 1854 die erste Niederlassung des Hauses auf afrikanischem Boden in Monrovia begründet und Goedelt unterstellt, und als 1857 eine Krise die Welt schüttelt und auch Woermann alles verliert, was er in zwei Jahrzehnten gewonnen hatte, gibt er wohl sein Australgeschäft ganz auf, verstärkt aber seine Kraft in Afrika: 1862 läßt er sich in (Französisch) Gabun nieder, 1868 an den Kameruner Ölflüssen. Das Geschäft, auf die einfachste Formel gebracht, ist, von den Afrikanern Fett für die heimische Industrie zu bekommen und ihnen dafür billige Gewandung zu liefern; es ist immer wieder der Austausch: Palmöl — Shirting.

Carl Woermann kam mit seinen Reisen nicht über die europäischen Küsten hinaus. Dafür ließ er die Söhne, Karl, dem Kunstgelehrten, Adolph, seinen Nachfolger im Hause, in jungen Jahren um die Welt reisen. Adolph war ein ganzes Jahr in einem Handelshaus in Batavia tätig, reiste über Japan nach Amerika, um dann noch einige Zeit in den eigenen westafrikanischen Faktoreien sich umzusehen. Nach fünf Lehrjahren Reise kommt er zurück und wird vom Vater als Teilhaber aufgenommen. Sieben Jahre arbeiten sie noch zusammen, bis der Tod Carl Woermann abruft. Er hatte gerade noch den ersten Überseedampfer des Hauses, "Aline Woermann", in Auftrag gegeben, den Stapellauf und die Taufe auf den Namen seiner Frau erlebt. Die Ausreise sah er nicht mehr. Es gibt kein Wort, das ihn und vielleicht auch jene frohe Zeit des Glaubens an den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung und seine Güter besser kennzeichnet, als sein eigenes: er kenne keinen schöneren Anblick in der Welt als den einer hoffenden Frau und eines in See gehenden Seglers.

Der Sohn erscheint härter als der Vater, knorriger. Mindestens ist er verschlossener. Der Vater gründet 1869 einen Verein, der den Anschluß Hamburgs an den Preußisch-Deutschen Zollverein betreiben soll, für den die Zeit noch nicht reif ist. Niemals hätte der Sohn einen solchen Schritt getan; er wartete lieber und hat auch in der Kolonialfrage sich zurückgehalten, bis die Stunde da war. Aber mit welcher Umsicht hat er dann gehandelt, als er wußte, daß Bismarck bereit war, wie hatten auch seine Leute draußen alles gerüstet! Wenn die Verhandlungen Nachtigals gescheitert wären, hätte die Faktorei "Kaffee" melden müssen in Erinnerung an das viele Geld, das das Haus umsonst in eine Kaffeepflanzung Sibangi gesteckt hatte. Es ist die Arbeit des Hauses c. Woermann und Adolph Woermanns wie seiner Mitarbeiter persönlich, wenn statt dessen "German" gemeldet werden konnte: Die deutsche Flagge weht über Kamerun.

Aber die Haupteigenschaft Adolph Woermanns neben der kaufmännischen Begabung ist sein hausväterlicher Sinn, der auf das Erhalten geht. Er verdient an den Afrikanern. Also muß er dafür sorgen, das auch sie zu leben haben.

So legt er neben den Faktoreien die ersten Pflanzungen in Afrika an, so viel Geld sie ihn auch zunächst kosten mögen, wenn nur der Afrikaner Arbeit und Verdienst hat. Hausväterlich ist die Sorge um die Seinen, die zahlreiche Familie, wie alle seine Mitarbeiter, für deren Alter er die "Versorgungskasse vereinigter Reedereien" begründet, hausväterlich auch die Art des Sorgens um sein Volk. Bei seiner großen Rede zur Reichspostdampfervorlage im Reichstag wird es deutlich spürbar, wie ihm das Volk, die Mütter, die ihre Kinder versorgen müssen, vor Augen stehen; ihnen will er aus den Furchen des Meeres Brot holen. Das Gefühl für Ehre der Nation ist darum genau so lebendig in ihm. Er ist beschämt, wenn ihn am Weihnachtsabend in Liberia Afrikaner belagern können oder er in Kamerun Schutz eines fremden Kriegsschiffes erbitten muß. Unglaublich ist die Arbeitskraft des Mannes. Es gibt keine wichtige öffentliche Angelegenheit, aber auch kaum ein Privatunternehmen allgemeinerer Bedeutung, bei dem man nicht seinen Rat, seine Teilnahme verlangt. Unserem Volk hat er außer seiner allgemeinen Arbeit in Afrika, deren äußeres Denkmal die Woermann-Linie wie die Woermann Niederlassungen an der westafrikanischen Küste sind, zweimal einen besonderen Dienst getan: Deutschostafrika war ohne eine regelmäßige Verbindung mit der Heimat. Das Reich war bereit, Geldmittel auszuwerfen. Aber kein Privatunternehmen wollte die undankbare Aufgabe eines solchen Aufbaus auf sich nehmen. Adolph Woermann brachte die geeignete Gesellschaft zusammen und übernahm trotz der Gewißheit des Verlustes zu Anfang auf sein Haus die Geschäftsführung. Beim Südwestafrikanischen Aufstand übernahm er Überfahrt und Nachschub für unsere Truppe und erledigte die Aufgabe mit großartiger Umsicht und Vorsorge bis ins kleinste. Aber nach dem glücklichen Ende hatte er nur die Schläge im Geschäft; beinahe wäre auch die Woermann-Linie in den Strudel gekommen. Am tiefsten aber mochte ihn schmerzen, wenn dabei ohne ein aufklärendes Wort der Regierung vor der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt werden durfte, er habe sich an der Not des Vaterlandes bereichert. Er hat sein Schiff trotzdem durch die Flut gesteuert, den Gram aber nie vergessen können.

Adolph Woermann war Kaufmann und Reeder, zu seiner Zeit der größte Privatreeder der Welt. Doppelt ist darum auch sein Werk aufgehoben im Haus C. Woermann selbst, das noch immer von Hamburg nach Westafrika arbeitet, wie in den zahlreichen Unternehmungen, die von Mitarbeitern Woermanns über ganz Afrika weg aufgemacht wurden, teils mit, teils ohne Unterstützung des Hauses, aber immer mit seinem Rat, und in den Deutschen Afrika-Linien, die zu der Woermann-Linie, der eigentlichen Westarfika-Linie und ersten afrikanischen Linie überhaupt, und der Deutschostafrika-Linie auch die Hamburg-Bremen-Afrika-Linie aufgenommen haben.

Die Woermann Flotte 1913

Adolph
Woermannhaus
Duala/Woermannhaus

Quelle: Der deutsche Kaufmann über See, Deutscher Verlag 1939, von rado jadu 2000

Afrikahaus
Chinesischer Schiffsporträtist des 19. Jhdts.
Yohimbin
Blohm & Voss
Die Deutsche Afrika-Linie

Ein Bildershow der Reederei von 1913

Auf einem transatlantischen Dampfer

Ships List

Am Vorgebirge von Viktoria

Undurchdringliche, schwarze Nacht
Ruht auf des Meeres Wellen,
Die wie des dunkeln Schicksals Macht
Dunkel das Ufer umschwellen.
Nur auf des Vorgebirges Grat
Schimmert des Leuchturms Feuer,
Führt der Schiffer, der einsam naht,
Sicher zum Hafen das Steuer.
Aber nur spärlich hat Menschenhand
Leuchten bestellt am Gestade;
Finster dehnen von Land zu Land
Nachts sich die feuchten Pfade.
Hier und dort nur am Rande der Bahn
Leuchtender Lichter Gefunkel;
Rings der unendliche Ozean,
Schaurig umhüllt vom Dunkel!
Karl Woermann

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